Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 20. März 2007

Halbes Jahr Ausgrabungen auf Baustelle

Start der Bauarbeiten vom Möbelhaus Dodenhof in Lübeck-Genin

Feuersteinklingen aus der Zeit um 10.000 vor Christus, grobe Keramik des Altertums und mittelalterliche Funde haben die Archäologen um Grabungsleiter Kay-Peter Suchowa bereits in den vergangenen vier Wochen auf dem Grundstück der Firma Dodenhof in Lübeck-Genin an der Autobahn 20 gefunden und sie vermuten weitere eindeutige Hinweise auf die Besiedlung des Gebietes seit der Steinzeit.

Ein halbes Jahr haben die Altertumsforscher Zeit, nach den Hinterlassenschaften unserer Vorfahren zu suchen und sie auszuwerten. Dann beginnt Dodenhof mit dem Bau seines dritten großen Möbelhauses, das im ersten Bauabschnitt eine Verkaufsfläche von 40.000 Quadratmetern haben soll. Eine sechsstellige Summe investiert das Familienunternehmen in die Grabungen, bevor mit dem eigentlichen 50-Millionen-Euro-Projekt begonnen wird.

"Dieses Gebiet war durch eine Lage auf einem kleinen Hügel an der Stecknitz prädestiniert für kleine Siedlungen", sagt Grabungsleiter KayPeter Suchowa, der damit rechnet, Reste von fünf oder sechs Gehöften auf dem Areal zu finden, das vom Posthausener Möbelhaus bebaut werden soll. Bereits beim Bau der Baltischen Allee hatte Suchowa eine Urne gefunden, in der ein Mensch begraben worden war. "In der Regel gab es keine einzelne Begräbnisstätte, so dass wir auch davon ausgehen, weitere Urnen zu finden", sagt er. Bisher besteht allerdings der größte teil der Funde aus geschichtlich neueren Keramikscherben, die durchaus von der Lübecker Altstadt in den Geniner Außenbereich transportiert worden sein könnten. "Die Bodenschichten zeigen uns, dass etwa ein halber Meter Erde auf dem Sandboden aufgebracht wurde. Das Material kann aus mittelalterlichen Kloaken der Altstadt oder Abfallfeldern hergebracht worden sein und wurde dann beim Pflügen immer mehr zerkleinert", erklärt Suchowa die Entstehung der vielen kleinen Scherben. Aber auch Reste einer Feuerstelle und verschiedene Gruben deren Hintergrund noch nicht bekannt ist, haben die Archäologen bereits freigelegt.

Sie erhoffen sich, unter anderem Rückschlüsse auf die Lebensweise der frühen Siedler ziehen zu können. In Niedersachsen und Dänemark habe man schon sehr viel darüber erfahren können, doch in Schleswig-Holstein gibt es aus finanziellen Gründen weniger Forschungsgrabungen aus denen regionale Eigenheiten der Menschen hervorgehen könnten.

Hinweise darauf würden die Überreste von Pfahlgründungen geben, die noch heute als dunkle Verfärbungen im hellen Sandboden zu erkennen wären.

Im Herbst 2008 soll der erste Bauabschnitt des Einrichtungshauses Dodenhof eröffnet werden. Damit bekäme die finanziell gebeutelte Hansestadt einen finanzstarken Steuerzahler mehr und es werden zunächst 300 neue Arbeitsplätze entstehen. "Wir haben mit unserem zweiten Neubau der Wirtschaft in Kaltenkirchen gut getan und konnten dort auch schon nach fünf Jahren beträchtliche Beträge Gewerbesteuer zahlen. Das wird in Lübeck genauso geschehen", verspricht Dodenhofs Geschäftsführer Berndt Chylla. Schließlich will das Unternehmen in weiteren Bauabschnitten einen Babyfachmarkt, Lebensmittelhandel und ein Sportfachgeschäft in Lübeck-Genin eröffnen. "Für uns ist an diesem Standort die A20 die Lebensader.

Wir rechnen damit, etwa 70 Prozent unserer Kunden aus dem Umkreis von 100 Kilometern anzuziehen", erläutert Chylla das Konzept. Er möchte auch mögliche interessante Ergebnisse der archäologischen Grabungen im späteren Möbelhaus dokumentieren. Mab

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