Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 19. Juni 2007

Häfen - Chancen ergründen und dann entscheiden

V.i.S.d.P.: Dr. Michaela Blunk

FDP

Natürlich war es unprofessionell, dass weder der geplante Verkauf von Hafenflächen, noch der von der LHG zu veräußernde Anteil wasserdicht abgesichert worden waren. Aber deshalb das Interessenbekundungsverfahren zu unterbrechen, wäre der Sache nicht dienlich, weil hier nicht der Grund für die Proteste liegt. Der Lübecker Hafen braucht angesichts der erfreulich rasanten "Nach-Wende-Entwicklung" im Ostseeraum Investitionen, die die LHG eben nicht mehr allein aufbringen kann, weil EU-Recht die Hansestadt als Bürgen aus dem Spiel genommen hat, und andere Größenordnungen als in der Vergangenheit gefordert sind. Auch das nötige Fachwissen wächst nicht ausreichend an kommunalen Ladebäumen. Wenn die Gewerkschaft ihr Veto bereits ankündigt, ohne das Ergebnis der Interessenbekundung zu kennen, geht es ihr jedenfalls nicht vorrangig um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Hafens. Allein mit dem Verweigern von Überstunden verringern die 800 Hafenarbeiter ihre Arbeitsleistung um 20% (!) und verursachen damit erhebliche Nachteile und Gefahren für die Hafenwirtschaft. Welche andere Branche kann es sich leisten, ein Fünftel der Arbeit in teuren Überstunden leis-ten zu lassen? Es könnten- rein rechnerisch - 160 Menschen Arbeit bekommen. Diese Situation beizubehalten, ist das Ziel der Protestler. Aber was denken eigentlich die Arbeitslosen darüber? Es wird Verträge mit privaten Partnern geben müssen, die für eine Übergangszeit Besitzstände erhalten, aber nicht für alle Zeiten und Neueinstellungen. Zunehmende Gütermengen garantieren nur dort Hafenarbeitsplätze, wo sie umgeschlagen werden. Wenn in Rostock Fehler gemacht wurden, kann die Alternative für Lübeck nicht lauten: "Kopf in den Sand". Es gilt statt dessen, die Bekundungen Interessierter gemeinsam gründlich zu prüfen und danach eine Entscheidung zu fällen. Es geht um die Zukunft des Hafens und der Stadt, dessen müssen sich beide Seiten bewusst sein.

Autorin: Dr. Michaela Blunk

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de