Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 07. August 2007

Stolpersteine sollen erinnern

Betonwürfel setzen Lebenszeichen für Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck

Seit 1993 gibt es das Projekt "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas sowie an Opfer der Euthanasie während der Zeit des Nationalsozialismus lebendig erhält. Lübeck erhält jetzt die ersten 40 Stolpersteine. "Stolpersteine" sind Betonwürfel mit zehn Zentimeter Kantenlänge, abgedeckt mit einer verankerten Messingplatte, auf der der Name sowie die Lebensdaten und das Schicksal des Opfers mit Schlagbuchstaben eingeprägt sind. Die Steine werden vor den ehemaligen Wohnhäusern der Deportierten und Ermordeten im öffentlichen Straßenraum dauerhaft vom Künstler selbst fachgerecht verlegt.

26 Steine wurden vergangenen Donnerstag in Lübeck verlegt, die anderen folgen. Am 28. Juni genehmigte die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck einstimmig die Verlegung von Stolpersteinen im Stadtgebiet. Am ersten Haus Adlerstraße 7 hatte sich neben Lübecks Stadtpräsident Peter Sünnenwold ein Kreis Lübeckerinnen und Lübecker gemeinsam mit dem Künstler eingefunden, um in dieser Stunde dieser Lübecker Bürgerinnen, Bürger und vor allem ihrer Kinder zu gedenken.

"Gerade am Beispiel von Kindern und Jugendlichen, die zwischen 1921 und 1937 geboren waren, zum Zeitpunkt ihrer Deportation 1941 also vier bis 20 Jahre alt waren, zeigt sich das Ausmaß des verbrecherischen Systems des Nationalsozialismus am deutlichsten, das nicht davor zurückschreckte, Kinder umzubringen, nur weil sie angeblich einer anderen Rasse angehörten", so der Stadtpräsident. Die Stolpersteine werden durch Patenschaften von privaten Spendern finanziert und gehen mit der Verlegung der Steine als Schenkung an die jeweilige Gemeinde. In diesem Falle also an die Hansestadt Lübeck. "Ich nehme die Spende dieser Steine in Namen der Stadt gerne an und möchte allen Spendern meinen herzlichen Dank für ihre Unterstützung sagen".

Gunter Demnig hat bereits rund 9.000 Stolpersteine verlegt, allein in Hamburg sind es mittlerweile rund 1.300 Steine.

Bei der Verlegung der ersten Stolpersteine ging es um folgende Familien: Fünfhausen 5 war die Anschrift der Familie Daicz, die komplett - bis auf den Vater - ausgelöscht wurde. Margot, Martin und Max Prenski lebten mit ihrer Mutter Sonja Prenski, geborene Lawenda, in der Adlerstraße 7, Fina Rosenthal mit ihrer Mutter in Marlesgrube 9, Margot Fanny Saalfeld mit den Eltern in der Fleischhauerstraße 1, Heinz Selmanson mit dem Vater Bei St. Johannis 4. In der Hüxstraße 110 wohnten die beiden jüngsten Lübecker Opfer der Deportation nach Riga: Rosa Beutel, geboren am 5. Juni 1935, und ihre kleine Schwester Simmy, geboren am 5. März 1937. Sie war noch keine vier Jahre alt, als sie umgebracht wurde.

Die in der Großen Petersgrube 21 lebende Familie Strwaczynski flüchtete nach Belgien. Die Eltern und ihre beiden Söhne Fred und Leo wurden in Auschwitz ermordet. Ebenfalls in Auschwitz kamen Hermann Marcus Mecklenburg und seine Schwester Hanna mit ihrer Mutter ums Leben; der Vater starb in Gurs. Die Familie hatte in der Mengstraße 52 gewohnt.

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