Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 28. Juli 1998

Der nassen Salzstraße zur Ehre

Lübeck feierte mit mittelalterlichem Treiben 600 Jahre Stecknitzfahr

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Die Ankunft des Salzprahm ,,Herzog Erich IV.'' an den Salzspeichern; Foto: M. Erz

,,Wir haben gewaltigen Hunger und Durst erlitten und erbitten ein Willkommen aus Euren Vorratskammern und ein kühles Naß aus kühlen Kellern...'' Hans-Joachim Winter, Bürgervorsteher der Gemeinde Büchen, machte sich stilecht in historischer Tracht und Sprache zum Repräsentanten des Stecknitzprahms, der am 26. Juli wie vor 600 Jahren an den Lübecker Salzspeichern landete. Lübecker, Lauenburger und andere Anwohner des früheren Stecknitzkanals feierten die dortige Ankunft der ersten Salzprähme aus Lüneburg am Maria-Magdalenen-Tag 1398.

Genau wie die hartgesottenen Stecknitzfahrer einst Bewirtung in der Gaststadt eingefordert hatten, taten dies am Sonntag auch die Salzprahm-Fahrer von 1998. Bürgermeister Michael Bouteiller ließ sich nicht lumpen und sorgte rasch für eine Rotspon-Verköstigung.

Zwei Tage lang feiern

Das Volk jubelte und die Gaukler spielten mit Schalmeien und Trommeln zum Tanz auf. Ein ganzes Wochenende lang feierte Lübeck im Zeichen des Mittelalters. Ungleich größer muß aber die Freude vor 600 Jahren gewesen sein, als die erste Ladung Lüneburger Salz vor den Speichern am Holstentor landete, wo sie dann auf ihre Verschiffung in alle Welt wartete.

Dank einer damals sensationellen technischen Meisterleistung, dem Bau der sogenannten "Stecknitzfahrt", war die Verbindung der Elbe mit der Trave damit der Transport des "weißen Goldes" von Lüneburg nach Lübeck ermöglicht worden. Der Vertrag zum Kanalbau, der später den Aufstieg Lübecks zur Königin der Hanse begründen sollte, wurde 1390 zwischen dem lauenburgischen Herzog Erich IV. - so auch der Name des nachgebauten Prahms - und der Hansestadt Lübeck geschlossen. 1391 begannen die siebenjährigen Bauarbeiten am ersten europäischen Wasserscheidekanal. Die 96 Kilometer lange "nasse Salzstraße" wurde mit 17 Schleusen versehen, um die Höhenunterschiede auszugleichen. 1900 wurde die Stecknitzfahrt durch den modernen, 62 Kilometer langen Elbe-Lübeck-Kanal abgelöst. Dieser hat nur noch sechs Schleusen.

Prahm nach historischem Vorbild

Der elf Meter lange, 2,60 Meter breite Salzprahm wurde vom Verein zur Förderung der Stecknitzfahrt in Lauenburg nach historischen Vorlagen gebaut. Im Gegensatz zum Originalvorbild muß er jedoch nicht mehr in Schwerstarbeit vom Ufer aus getreidelt (gezogen) werden, sondern wird von einem 35-PS-Dieselmotor angetrieben. Am 4. Juli begann er seine Jubiläumsfahrt in Lauenburg, wohin er nun wieder zurückkehrt. Dort soll er für touristische Zwecke genutzt werden.

In Lübeck machte der Prahm nach seiner offiziellen Begrüßung vor den Salzspeichern an der Obertrave, Höhe Hartengrube, fest. Hier, einen Steinwurf vom Dom entfernt, hatten die Stecknitzfahrer einst ihre Wohnungen und ihre Anlegestelle. Buntes, fröhlich lärmendes Gauklervolk begleitete die Reisenden zum Festgetümmel, das sich seit Sonnabend mittelalterlich-zünftig auf dem Domvorplatz abgespielt hatte.

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