Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 28. Juli 1998

Eine der ältesten Einrichtungen in Deutschland

Seit 160 Jahren werden in der Hansestadt Lübeck Daten erhoben - Nur 37 Städte mit eigenem Amt

0350302.gif
Die erste dokumentierte Erfassung der Bevölkerungszahl Lübecks datiert aus dem Jahr 1350. Ab Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Daten dann amtlich erfaßt. Die Grafik zeigt den fast explosionsartigen Anstieg ab 1900; SZ-Grafik

Die Kommunalwahl 1998 liegt jetzt vier Monate zurück, aber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bereichs Statistik und Wahlen bleibt keine Zeit zum Verschnaufen: sie sind bereits mittendrin in den Vorbereitungen zur Bundestagswahl am 27. September. Zeitgleich wird an diesem Tag auch der Volksentscheid zur Rechtschreibreform durchgeführt - das bedeutet Erarbeiten von Wahlunterlagen, Anfertigen von Wählerlisten, Vorbereitung von Wahlräumen und nicht zuletzt die Suche nach freiwilligen Wahlvorständen.

Über 1000 davon werden - wie bei der Kommunalwahl - benötigt. Interessenten können sich informieren unter den Rufnummern (0451) 122 12 30 oder 122 12 31. Für die Tätigkeit in einem Wahlvorstand wird eine Aufwandsentschädigung von 50 Mark gezahlt.

Das Jahr 1998 stellt mit seinen drei Wahlen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bereichs eine besondere Bewährungsprobe dar; aber die Hände in den Schoß legen können sie auch zu "normalen Zeiten" nicht. "Auf Knopfdruck müssen wir die rothaarigen Nichtschwimmer, die zudem noch katholisch sind, auflisten können", bringt Bereichsleiter Heinz Meußler mit einer Spur Ironie die täglichen Anforderungen an seinen Bereich auf den Punkt. Soll heißen: es werden viele und stets mehr Daten erhoben. Dies aber, versichert Meußler, geschieht nicht zum Selbstzweck.

Eine 160jährige Tradition

"Die Statistik ist für politische Entscheidungen heute unerläßlich. Es gibt keine Stadtplanung ohne Datenerhebung, und es wird auch kein Kindergarten gebaut, wenn man nicht vorher weiß, wieviel Babys im künftigen Einzugsbereich vermutlich geboren werden", so Meußler.

Daß nur aufgrund gesicherter Daten verläßliche Entscheidungen getroffen werden können, ist keineswegs eine neue Einsicht. In der Hansestadt Lübeck beispielsweise kann die Statistik in diesem Jahr auf eine 160jährige Tradition zurückblicken.

Bereits im Jahr 1805 hatten Dr. Christian Overbeck, der Schriftsteller und Bürgermeister, sowie Ludwig Suhl, der Gründer der "Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit", zum ersten Mal auf das Fehlen jeglicher Statistik aufmerksam gemacht, und 1818 hatte Senator Johann Friedrich Hach erneut auf die Notwendigkeit statistischer Grundlagen für Handel und Schifffahrt hingewiesen. Es dauerte aber dann doch noch 20 Jahre, ehe sich am 17. November 1838 der Statistische Verein konstituierte.

Verein als Keimzelle

Der Verein sah sich selbst als Ausschuß der "Gemeinnützigen" an; erst 1845 genehmigte die Gesellschaft den Namen "Verein für lübeckische Statistik". Die Arbeitsfelder waren die geographische Lage, das Klima, der Boden, Naturerzeugnisse, Wohnungen, Bevölkerung, Ackerbau, Industrie, Gesetzgebung, Verwaltung und Staatswissenschaften. Zwischen 1840 und 1860 veröffentlichte der Verein 115 statistische Tabellen und vier umfangreiche Jahrbücher. Aber bereits Jahrhunderte vorher wurde die Bevölkerung Lübecks gezählt:Die ältesten Dokumente stammen aus dem Jahr 1350.

1871 wird die Freie und Hansestadt Lübeck Gliedstaat des Deutschen Reiches. Beim Stadt- und Landamt wird ein "Statistisches Bureau" eingerichtet, das 1894 den Status eines Statistischen Landesamts erhielt. Nach der Eingliederung der Hansestadt in die preußische Provinz Schleswig-Holstein 1937 verlor das Amt diesen Status allerdings wieder. Das statistische Amt, der heutige Bereich Statistik und Wahlen, gehört damit zu den ältesten Institutionen dieser Art in Deutschland.

Beginnend mit Bremen 1861 entschieden sich bis 1938 insgesamt 37 Städte, ein eigenständiges Amt einzurichten. Darunter waren Berlin (1862), Frankfurt / a. M. (1865), Hamburg (1866), München (1875) und Leipzig (1897). Lübeck hatte von diesen Städten mit damals rund 40 000 die kleinste Einwohnerzahl.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de