Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 28. Juli 1998

Überbleibsel: Apfelgriebs und Babywindel

Nach einem heißen Badetag im Flußbad Marli quillt der 1100-Liter-Müllcontainer über

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Abendliche Säuberungsaktion: Makram Trabelsi leert Papierkörbe; Fotos (3): Przywara

"Feierabend!" ruft Schwimmeistergehilfin Ines Bähnck den letzten Badenden zu, die sich im Schein der sinkenden Sonne in der Wakenitz tummeln. Während ihr Kollege die Papierkörbe entleert, klaubt sie die Hinterlassenschaften der Besucher des Flußbads Marli von Strand und Liegewiese auf.

"Hier hat ein Kettenraucher gelegen", sagt sie, und fischt einen Zigarettenstummel nach dem anderen aus dem Sand. Ein Apfelgriebs folgt den Kippen in den Mülleimer, Pommes-Piekser, Glasscherben, leere Safttüten und jede Menge Bonbonpapier bilden die Nachhut.

Zerstreute Badegäste

Ines Bähnck hält einen grauen Socken in die Höhe. "Was die Leute alles so vergessen", sagt sie kopfschüttelnd. "Ich frage mich, ob sie nicht merken, wenn sie mit nur einer Socke oder einem Schuh nach Hause gehen." Eine pinkfarbene Kinderschaufel und ein winziger Besen kommen zu den anderen Dingen, die schon auf ihre zerstreuten Besitzer warten. Auf Platz eins und zwei der Hitliste vergessener Habseligkeiten stehen Kinderspielzeug und Kleidung. Am schlimmsten sei es, so Marli-Betriebsleiter Lothar Sternal, wenn beim Aufräumen eine komplette Garnitur gefunden werde, von der Unterwäsche bis zu den Schuhen. "Das ist vor Jahren einmal passiert. Wir mußten davon ausgehen, daß jemand ertrunken ist." Stundenlang sei damals die Feuerwehr mit Angel- und Tauchgeräten im Einsatz gewesen, ohne etwas zu finden. Tags darauf habe sich herausgestellt, daß es die Sachen eines zehnjährigen Jungen waren, der nur mit seiner Badehose bekleidet nach Hause geradelt war.

Normalerweise geht die abendliche Säuberungsaktion aber eher unspektakulär vonstatten. Makram Trabelsi, Auszubildender zum Fachangestellten für Bäderbetriebe, kippt den Müll aus den Papierkörben in einen Container. Auf dem Boden eines Papierkorbs bleibt eine zusammengerollte und offensichtlich benutzte Babywindel kleben. Der Lehrling packt sie, ohne mit der Wimper zu zucken, an einem sauberen Zipfel und wirft sie zu leeren Chipstüten, Bonbon- und Eispapier, Pommespappe und Büchsen.

Wenn Hochbetrieb ist, kommen rund 2500 Besucher. Der 1100-Liter-Müllcontainer der Badeanstalt quillt dann über. An einem sonnigen aber windigen Tag wie diesem ist er mit rund 1000 Badegästen kaum halb gefüllt, und die Reinigungsarbeiten sind dieses Mal schnell beendet: Nach einer Stunde sind auch die Toiletten geputzt, die Duschräume desinfiziert, die Umkleidekabinen gefegt und saubergespritzt und Pommes ,,rot-weiß" vom Pflaster gekratzt. Dieses Glück hat das dreiköpfige Team nicht immer. "Wenn es ganz schlimm kommt, zum Beispiel Spülkästen herausgerissen wurden und sich die Toiletten in einem üblen Zustand befinden, sind wir bis 22 Uhr hier zugange", sagt Sternal. "Und wenn dann nachts noch eine unerlaubte Freibad-Party steigt, muß die Frühschicht am darauffolgenden Morgen schon wieder putzen und aufräumen."

Erfrischung nach der Arbeit

Den ganzen Tag haben der Schwimm-meister und seine Helfer ein Auge auf die schwimmenden und planschenden Gäste gehabt. Nach der schweißtreibenden Säuberungsaktion lechzt Makram Trabelsi nun selbst nach dem erfrischenden Naß. Er verschwindet, erscheint kurz darauf in Badehose auf der Bildfläche, rennt zum Einmeterbrett und stürzt sich mit einem Salto in die Fluten.

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