Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 15. September 1998

Editorial

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Immer wieder erhält die Redaktion der Lübecker Stadtzeitung (SZ) Anrufe oder Briefe, in denen wir auf die sogenannte geschlechtergerechte Sprache angesprochen werden. Nicht gerade jedem Leser oder jeder Leserin gefällt die von der Bürgerschaft beschlossene Anweisung, so zu formulieren, daß sich weder Frau noch Mann benachteiligt fühlen können.

In dem Leitfaden "Mehr Frauen in die Sprache" der Landesregierung heißt es, ,,geschlechtergerechte Formulierung erfordert Sprachgefühl, Kreativität und die Bereitschaft, Formulierungsgewohnheiten zu verändern." Zu bedenken sei (von den Schreiberinnen und Schreibern als auch den Leserinnen und Lesern) dabei, "daß das, was heute noch ,komisch' klingt, morgen schon die Norm sein kann".

Wir also bemühen uns und können trotzdem nicht verhindern, manchmal in die Zwickmühle zu geraten. Dürfen wir eigentlich von Bürgerschaftsmitgliedern sprechen, wo schon der Wortursprung nicht geschlechtsneutral, geschweige denn weiblich, zu sein scheint? Der Leitfaden bietet da keine richtige Hilfe:"Substantivierte Adjektive oder Partizipien im Plural können besonders hilfreich eingesetzt werden", heißt es da.

Dumm nur, daß unsere Textverarbeitung alle politischen Beschlüsse zur Frauensprache nicht beachten - das Korrekturprogramm stolpert immer wieder über frauenspezifische Begriffe und bietet Kurioses an: Da wird das Frauencafé zur Frauenhaft. Ihre SZ-Redaktion

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