Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 15. September 1998

Der Preis diktiert den Produktionsweg

Mehrwegverpackungen sollen im Supermarkt der Zukunft vorherrschen - Skepsis bei Fachleuten

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Ein Blick von Warenhausleiter Dirk Mund auf den "Supermarkt 2000" mit weniger Verpackungsvielfalt; Foto: T. Wewer

Mehrweg statt Einweg: das ist, auf einen kurzen Nenner gebracht, die Vision des Supermarktes der Zukunft - jedenfalls nach Ansicht von Greenpeace. In Zusammenarbeit mit einer Gruppe aus Bremen konzipierten die Umweltschützer eine Ausstellung, in der sie ihre Vorstellungen präsentieren. Bis zum vergangenen Freitag war diese Ausstellung mit dem Titel "Supermarkt 2000" in der Gewerbeschule I, Dankwartsgrube, zu sehen. Zahlreiche Schulklassen nutzten die Gelegenheit, sich über die Möglichkeiten zu informieren, Mehrwegsysteme zu entwickeln, alternative Verpackungen und neue Materialien kennenzulernen. Unter den Besuchern war aber auch Dirk Mund, Leiter des Warenhauses "plaza" in Lübeck-Marli. Der 35jährige wollte wissen, inwieweit diese Visionen in die Praxis umgesetzt werden können.

"Wir sind nicht gegen Mehrwegsysteme", erläutert Mund unter anderem sein Interesse an der Ausstellung, "aber ob sie wirklich immer die bessere Alternative sind, kann bisher niemand zweifelsfrei sagen." Zwar fiele bei Mehrwegsystemen weniger Material an, dafür entstünden aber wieder mehr Kosten durch Transport und Lagerung, gibt er beispielsweise zu bedenken.

Problematisch seien Mehrwegsysteme auch bei leicht verderblichenLebensmitteln; hier müßten strenge Hygienevorschriften eingehalten werden. Gleichwohl kann er Beispiele aus dem eigenen Sortiment nennen, wo Verpackungen trotzdem mehrfach Verwendung finden: bei Milchflaschen etwa oder bei Joghurts in Gläsern.

Das Haupthindernis für Mehrwegsysteme ist laut Mund der Preis: Die Kosten seien gegenüber Einwegsystemen noch immer deutlich höher, entsprechend müsse der Verkaufspreis selbst bei einer großen Handelskette kalkuliert sein.

Mund zeigt dies am Beispiel von Mitbewerbern auf: "Die Discounter können nur deshalb so preisgünstig sein, weil es bei ihnen überhaupt keine Mehrwegsysteme gibt." Eine Möglichkeit könnte die Subventionierung entsprechender Produkte durch den Staat sein, damit Mehrwegsysteme konkurrenzfähig seien. Aber selbst das sei keine Garantie dafür, daß sich diese Produktionsform durchsetze. "Wir haben vor zehn Jahren bereits eine Aktion für Mehrwegsysteme gestartet und diese auch entsprechend beworben, aber die Resonanz der Verbraucher war nahezu null", resümiert der Warenhausleiter. Soll wohl heißen: letztlich entscheidet der Verbraucher, ob sich Mehrwegsysteme durchsetzen oder nicht.

Anstöße zum Umdenken

Laut Umweltbundesamt stünden etwa beim Bier die Einwegflaschen und Einwegmetalldosen trotz der hohen Recyclingquoten im Vergleich zu den sogenannten Mehrweggebinden schlechter da. Erst bei sehr hohen Transportentfernungen (ab zirka 1000 Kilometern) sei der Vorteil nicht mehr erkennbar. Andererseits: Bei der Milch hat der Polyethylen-Schlauchbeutel, eine Einwegverpackung also, die "

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