Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 15. September 1998

Rechtschreibreform ohne Gesetzescharakter

Zu: "Editorial" der SZ vom 4. August und Leserbrief vom 18. August

"An meinen Thron darf niemand ran!" --- so etwa aeusserte sich Wilhelm II., der letzte Kaiser, zur Rechtschreibreform seiner Zeit im Jahre 1900. Deshalb wurde Thron darauf immer noch mit "Th" geschrieben.

Filosofen und Physiker sind sich heute einig, dass man Ihnen nicht vorschreiben darf, wie Ihre Berufsbezeichnung zu schreiben ist. (Dadurch, dass nun mehr Woerter aus dem Griechischen anstelle mit "ph" mit "f" geschrieben werden, haben wir noch nichts gewonnen.) In Europa gibt es keine Sprache, die dermassen ueberreglementiert ist wie die deutsche. Allein die Regeln zur Gross- und Kleinschreibung im Deutschen sind eher als Kunstwerk, denn als Werkzeug zu verstehen.

Wir Eltern sind in erster Linie durch die Rechtschreibreform betroffen, weil Rechtschreibfaehigkeit als Intelligenzmass in der Schule eingesetzt wird und dieses Mass ueber die moeglichen Qualifikationswege unserer Kinder entscheidet.

Genau gegen diesen Punkt wenden wir uns vehement. Wir brauchen in Schleswig-Holstein wie in Deutschland eine Rechtschreibreform - aber nur eine, die den Gesetzescharakter aus der Rechtschreibung entfernt.

Die vorliegende Reform traegt dazu fast gar nicht bei. In Schleswig-Holstein hat das Bildungsministerium durch seine mangelhafte Informationspolitik eine regelrechte Verwirrung in der Bevoelkerung und bei den Eltern zusaetzlich eine erhebliche Verunsicherung hinsichtlich der Bedeutung der Rechtschreibreform und des Volksbegehrens gegen diese verursacht.

Hans-Georg Gressing,
Kreiselternbeirat der Grund-, Haupt-, und Sonderschulen, Lübeck

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