Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 22. September 1998

Mobilität verlangt Rücksicht

Nicht nur mit dem Auto fortbewegen - Gesundheitliche Auswirkungen

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Autochaos in der Innenstadt; Foto: M. Erz

"Mobilität heißt Distanz überbrücken, aber auch, mit der Distanz leben zu können", steht in der Broschüre des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Umwelt, Natur und Forsten zum Thema Agenda 21. "Mobilität ist keine Größe an und für sich; sie wächst nicht dadurch, daß entfernte Ziele besser erreichbar sind als nahe", heißt es in dem Heft mit dem Titel "Lebensqualität mit Zukunft" weiter. Von Natur aus mit Muskelkraft ausgestattet, habe der Mensch seine Fortbewegungsmöglichkeiten (also seine Mobilität) weiterentwickelt - über die Nutzung von Wind und Wasser bis hin zur Maschinenkraft, die in vielfältiger Form genutzt werde. Diese Mobilität aber verlange Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer, Rücksicht auf sich selbst, die eigene Gesundheit und Sicherheit.

Auto ein Nahverkehrsmittel

An diese Überlegungen knüpfen die Handlungs- und Verhaltenstips zum Thema "Mobilität" an, die in einem Leitfaden des Ministeriums enthalten sind, der an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der "Agenda 21"-Aktion verteilt wurde. Darin heißt es, daß 71 Prozent aller Fahrten heutzutage mit dem Auto stattfinden. Diese Motorisierung bedeute aber nicht höhere Mobilität, denn sie ersetze nur die vormals zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegten Wege. Dabei bleibe das Auto vor allem ein Nahverkehrsmittel, denn ein Viertel bis ein Drittel aller Autofahrten seien kürzer als zwei bis drei Kilometer und die Hälfte aller Fahrten seien kürzer als fünf Kilometer. Gerade für solche Kurzstrecken sei aber das Auto nicht sinnvoll. Diese kurzen Entfernungen ließen sich bequem und teilweise sogar schneller mit dem Fahrrad bewältigen.

Kurze Autofahrten verbrauchten besonders viel Sprit und auch Katalysatoren wirkten erst voll bei warmem Motor. Empfehlung also: Kurze Wege lieber mit dem Fahrrad erledigen. Und neben der häufig festzustellenden Zeitersparnis kämen noch gesundheitliche Vorteile: "Fahrradfahren ist optimales Herz-Kreislauftraining", wird in dem Leitfaden gepriesen.

Neben dem Fahrrad bietet sich der öffentliche Personennahverkehr als Alternative zum Auto an, rät der Leitfaden. Die Fahrt mit Bus oder Bahn ließe sich nutzen als Vorbereitungsphase für die Arbeit oder zur Entspannung auf dem Nachhauseweg. In dieser Zeit können man abschalten, ausspannen oder Zeit zum Lesen finden.

Fahrgemeinschaften bilden

Wer jedoch nicht auf das Auto verzichten will oder kann, sollte Fahrgemeinschaften bilden, "wo es sinnvoll ist". Man könnte auch Mitfahrzentralen nutzen oder auf Angebote wie Statt-Auto zurückgreifen, das heißt, auf ein eigenes Fahrzeug verzichten.

Wer dennoch mit dem eigenen Pkw unterwegs sein möchte, sollte wenigstens spritsparend fahren, also defensiv und vorausschauend. Das heißt zum Beispiel an Bahnübergängen und in Staus auch: Motor aus.

Weitere empfehlenswerte Maßnahmen: Nicht unnötig Dachgepäckträger, und auch keinen Ballast "spazieren fahren", einen Katalysator einbauen lassen, sofern noch nicht vorhanden und beim nächsten Autokauf an einen kleineren Pkw denken - für Transportfahrten kann ja ein Großraumfahrzeug angemietet werden, schlägt der Leitfaden vor. Maßnahmen zur Lärmreduzierung am Auto wären eine Motorkapselung, der Einbau eines lärmreduzierten Auspuffs sowie lärmarme Reifen.

Vergessen sollte man nämlich nicht, daß der Autoverkehr gesundheitliche Auswirkungen auf jeden einzelnen hat: von Streß über Herz- und Kreislaufstörungen bis hin zu Asthmaerkrankungen und Organschädigungen.

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