Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 22. September 1998

Eine heitere Oper

Premiere: Die Liebe zu den drei Orangen

Die Opernsaison startet mit "Die Liebe zu den drei Orangen" - und das Theater Lübeck vertraut dabei mehreren Namen. Zunächst denen des Komponisten und des Autors: Sergej Prokofjew vertonte das turbulente Stück von Carlo Gozzi, dem "Gegenspieler" Carlo Goldonis - vor 75 Jahren wurde aus dem turbulenten Schauspiel des 18. Jahrhunderts eine heitere Oper. Dann vertraut es neben dem erprobten Ensemble seinem musikalischen Leiter Erich Wächter und dem Regisseur Anthony Pilavachi, der binnen kurzem mit "Lulu", "Hoffmanns Erzählungen" und "Madame Butterfly" brillierte. Premiere ist am Sonnabend, 26. September, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen sind dann am 29. September sowie am 1. und 4. Oktober.

Der Inhalt ist kurz erzählt: Unter den gegenseitigen Einflüssen des gu-
ten Magiers Tschelio und der bösen Fee Fata Morgana verwandelt sich die morbide Melancholie des Prinzen, Sohn des Kreuzkönigs, in leidenschaftliche Liebe zu den drei Orangen. Nachdem diese in einer Reihe von Abenteuern erobert sind, verwandeln sie sich in allerliebste, aber sehr durstige Prinzessinnen. Aufgrund der von Tschelio und Fata Morgana angezettelten Intrigen wird die dritte und einzige überlebende Orange zunächst zur Ratte, bevor der Prinz sie zur Braut nimmt.

"Das Stück reizte mich wegen seiner Mischung aus Märchen, Scherz, Satire und, was die Hauptsache ist, wegen seiner szenischen Wirksamkeit", schrieb Prokofjew - und komponierte eine Musik im neoklassischen Stil, angelehnt an seine "Symphonie classique".

Pilavachi wiederum reizte "das kleine Welttheater nach Shakespeare-Art, die Parabel über alle Genres des Theaters". Als er sich mit der russischen Manier des Theaterspielens zu Beginn dieses Jahrhunderts vertraut gemacht hatte , fiel es ihm nicht schwer, "den Witz dieser skurrilen Komödie zu pointieren".

Nicht nur ein Märchen

Das geht bis ins Groteske, aber es ist "nicht nur ein Märchen für Erwachsene". Laut Pilavachi geht es musikalisch bis zur Parodie auf den seinerzeit überstarken Einfluß der Wagner-Opern. Doch das muß ein sjeder selbst heraushören aus dieser Musik, die oft rasant ist, und "jede Körperbewegung beschreibt, geradezu eine Körpersprache entwickelt: Musik und Bühne sind eins". Der Wirbel dauert nur wenig über zwei Stunden.

Pilavachi hat "Die Liebe zu den drei Orangen" zu Jahresbeginn in Freiburg inszeniert. Aber es wird keinerlei Kopie: "Die Oper ist so vielseitig, ich habe hier in Lübeck einen ganz anderen Ansatz, neue Mitwirkende, ein anderes Bühnenbild und ein anderes Publikum". Nur die Kostüme von Jutta Delorme kommen vom Oberrhein an die Trave - aus Kostengründen.

Das ganze Ensemble samt Gästen (und dem Chor in der Einstudierung von Thomas Lang) ist beim Orangen-Auf-
takt mit dabei: Maria Koler, Elisabeth Kraus, Angela Nick, Renée Sessely, Banuta Bernulak, Barbara Rohlfs, Patrick Busert, Klaus Esch, Viktor Jokovenko, Hans-Georg Knoblich, Christoph JH Kögel, Anton Kuhn, Dorin Mara, Mark Schnaible und Andreas Werner. Güz

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