Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 03. November 1998

Vierte Gesamtschule kommt

Trotz Protesten von Eltern und Schülern Bürgerschaftsmehrheit für IGS

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Vor Beginn der Bürgerschaftsssitzung demonstrierten Schüler vor dem Rathaus; Foto: C. Przywara

Zwischenrufe, Unmutsäußerungen von der Bürgerschafts-Tribüne und eine Demonstration von rund 1000 Schülern, Eltern und Lehrern des Trave-Schulzentrums änderten die Mehrheitsmeinung nicht: Mit 27 zu 20 stimmte die Bürgerschaftsmehrheit am Donnerstag der Einrichtung einer vierzügigen integrierten Gesamtschule (IGS) mit Ganztagesbetrieb zu. Verbunden damit ist, daß Realschule und Gymnasium auslaufen.

Der Abstimmung vorausgegangen war eine zum Teil heftig geführte Debatte über die vierte IGS für Lübeck. Gabriele Schopenhauer (SPD) erinnerte daran, daß die Kücknitzer Schule vor 26 Jahren als Gesamtschule geplant worden sei und nur geringfügige Umbauten nötig seien, um dort eine IGS einzurichten. Die jetzigen Schüler des Trave-Gymnasiums könnten ihre Schulzeit dort beenden, niemand müsse der IGS wegen die Schule verlassen.

Eine Argumentation, die insbesondere von Rednern der CDU-Fraktion angezweifelt wurde. So sprach Ingrid Schatz davon, daß nach Bildung der IGS die übrigen Lübecker Gymnasien und Realschulen belastet würden, da zukünftig beispielsweise weniger Gymnasiasten in der Kücknitzer Schule aufgenommen werden könnten und dann in die Innenstadt fahren müßten. Auch sehe sie nicht, daß der von der SPD eingebrachte Antrag dem Kücknitzer Elternwille entspreche. Selbst Schulsenator Ulrich Meyenborg (SPD) habe gesagt, daß er eine vierte IGS derzeit nicht für sinnvoll halte. Der Antrag zeige den "ideologisch verbohrten Willen" der SPD.

Ein Vorwurf, den der SPD-Fraktionsvorsitzende Dietrich Szameit entschieden zurückwies. Die SPD vertrete seit mehreren Wahlperioden die Auffassung, die Eltern müßten ein Wahlrecht haben und entscheiden können, welchen Schultyp ihr Kind besuchen solle. Zu Vorwürfen, IGS seien eine leistungsnivellierende Schulart (Peter Fick; CDU), sagte Szameit: "An Gesamtschulen gilt die gleiche Prüfungsordnung wie an Gymnasien."

Antje Jansen (Grüne) sagte, "fördern statt Auslese" müsse das bildungspolitische Ziel sein.

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