Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 03. November 1998

GeistReich

Der Empfangsraum der Stadt

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Mit und von Jonas Geist

Der Empfangsraum der Stadt ist vielgestaltig, stolpert man aus dem Bahnhof, ahnt man die Stadt, sieht sie aber noch nicht so richtig, denn dadurch daß der Bahnhof mal rausgelegt worden ist, ist das unmittelbare Gegenüber von Bahnhof, Holstentor und Stadtsilhouette aufgelöst worden. Jetzt sieht man das Ganze, die Stadtmandel, viel besser von der Possehl-Brücke, da wo sie über die Gleise geht und dann abknickt und zur Drehbrücke hin fällt.

Als Gegenüber hat man ein Hotel, das Kafka im schon zitierten Tagebuch erwähnt, das Hotel Victoria, das zu vermieten ist. Welcher Sieg, mag gemeint sein? Daneben noch offen und um die Ecke das Hotel Stadt Lübeck mit der Uhu-Bierstube auf der Ecke, die geöffnet ist und denen, die dann von dem gläsernen Busbahnhof aus in die Peripherie entschwinden, den Übergang erleichtert. Auf der anderen Seite wird das geschlossene Hotel flankiert vom ehemaligen Verwaltungsgebäude der Lübeck - Büchener-Eisenbahn, für die Alfred Mahlau die Reklame gemacht hat und an die vielleicht noch die zwei gerundeten Wartebänke auf dem Bahnsteig 1 erinnern mögen. Wie viele Erinnerungen knüpfen sich als Student noch an die Fahrt nach Büchen, um dort umzusteigen in den Zug nach Berlin mit dem Kampf um einen Platz im Mitropa Speisewagen. An den letzten Direktor dieser eisenbahnhistorischen Delikatesse Fritz von Borries habe ich noch Momente des Erinnerns, weil er zu dem kunstinteressierten Umfeld gehörte, das meine Eltern vorfanden, als sie 1935 von Halle nach Lübeck zogen und in der Overbeck-Gesellschaft Gleichgesinnte fanden.

Der Empfangsraum der Stadt wird auf der einen Seite geschlossen durch den architektonisch anspruchsvollen Handelshof, der an den Bahnhof angebaut ist mit geschickten Übergängen in der Ma-nier der Hamburger Kontorhäuser der 20er Jahre. Das Portal des 1924 gebauten Hauses wird flankiert von zwei Pumas in Terracotta. Heute ist das Amt für ländliche Räume drin, im Dritten Reich waren dort

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