Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 19. Januar 1999

Aus kleinen Anfängen zum Vorbild geworden

Das ,,Marli-Forum" im Neubaugebiet Waldersee setzt sich für die positive Entwicklung des Stadtbezirks ein

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Marieluise Glatt mit Aysin und Bengi (v.li.) bei der Schularbeitenhilfe; Foto: C. Przywara

Die Initiative, sich für die positive Entwicklung des Stadtbezirks Marli einzusetzen, ging von der St.-Thomas-Gemeinde aus. Ende 1994 kümmerte diese sich insbesondere um das Neubaugebiet Waldersee, denn es war absehbar, daß sich dort 2500 neue Einwohner ansiedeln würden - zu einem großen Teil Aussiedler, die bis dahin in einer Gemeinschaftsunterkunft in Blankensee untergebracht waren. Lienhard Böhning, Beauftragter für Gemeinwesenarbeit des Kirchenkreises Lübeck, veranstaltete gemeinsam mit Pastorin Gabriela Jacke ein Informationstreffen für Schulen, Wohnungsbaugesellschaften, Kirche, Sozial- und Jugenddienst, Frauenbüro, Jugendamt, Polizei, Parteien und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Dort kristallisierte sich die Idee heraus, den Runden Tisch "Marli-Forum" zu bilden - mit dem Schwerpunkt, positiv auf die Entwicklung des Stadtbezirks und die Integration von Neusiedlern in das Stadtgebiet zu wirken.

Viele verschiedene Arbeitsgruppen

Die unterschiedlichsten Arbeitsgruppen beteiligen sich seit September 1995 am Marli-Forum, dessen Aktivitäten Böhning im Auftrag der St. Thomas-Kirchengemeinde gemeinsam mit Doris Nack koordiniert. Die städtische Sozialarbeiterin arbeitet sowohl im Treff im Hudekamp als auch im Marli-Forum. Die Arbeitsgruppen konzentrierten sich beispielsweise auf die Spielplätze, den Personennahverkehr und die Grünanlagen "auf Marli".

Die Arbeitsintensität der Gruppen war unterschiedlich, letztlich blieben zwei übrig: Die Arbeitsgruppe, die sich um die Gestaltung des Meesenplatzes kümmert (die SZ berichtete) und der Nachbarschaftstreff Marli-Forum im Neubaugebiet Waldersee.

Die Mitglieder des lockeren Zusammenschlusses bauten in ihrer Phantasie zunächst ein Traum-Haus, in dem sie Institutionen und Angebote unterbrachten, von denen sie meinten, sie seien sinnvoll für die Bewohner des Neubaugebiets: Einen Second-Hand-Shop brachten sie dort im Geiste unter, Kurs- angebote für alle Generationen, ein Nachbarschaftscafé, Ferienangebote, eine Tagesmütter- und Babysittervermittlung, einen pädagogischen Mittagstisch, eine neue Kindertagesstätte, Mutter-Kind-Gruppen, Elternberatung.

Keine Geldmittel vorhanden

Jedoch:Dieses Traum-Haus, das war den Akteuren klar, konnte nur in abgespeckter Form Realität werden, denn das Marli-Forum verfügte bis dahin über gar keine Geldmittel. Böhning - für die SPD auch in der Bürgerschaft - wandte sich an die Wohnungsbaugesellschaften und führte die Verhandlungen. Diese hatten Interesse an einem aktiven Bezirk, in dem Aussiedler, Ausländer und Neubürger gut und schnell integriert werden und sich wohl fühlen. Sie boten dem Forum eine 70 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoß der Elisabeth-Haselhoff-Straße 12 für den halben Mietpreis - 300 Mark - an. Davon übernimmt seit der Wohnungseinweihung im Oktober 1997 die Heimstätten Gesellschaft 200 Mark. Die verbleibenden 100 Mark stammen aus städtischen Mitteln: einem Fonds, der dafür verwendet wird, Stadtteilbüros zu bilden. In der Silberstraße, in der ehemaligen Cambrai-Kaserne und im Hudekamp gibt es Einrichtungen mit ähnlichen Zielen.

Damit war die Wohnungsmiete gesichert; nun galt es, die neue Anlaufstelle auf Marli mit Leben zu füllen. "Natürlich war längst nicht alles umsetzbar, was sich die Forum-Mitarbeiter erträumten", so Böhning. "Aber die haben sich nicht entmutigen lassen, schließlich wußten sie, daß sie klein anfangen und Schwerpunkte setzen mußten." Inzwischen ist der Treffpunkt gut genutzt, jeden Tag in der Woche sind vormittags, nachmittags und auch abends Veranstaltungen, so daß im Durchschnitt täglich 150 "Marlianer" dort ein- und ausgehen, schätzt Böhning. "Das Marli-Forum ist praktisch eine Selbsthilfegruppe für Marli", erklärt Böhning. "So etwas könnte im Grunde genommen jeder Stadtteil und jeder Stadtbezirk gebrauchen." Es trage dazu bei, daß sich die Bürgerinnen und Bürger wohler fühlen, weil sie an der Entwicklung ihres Wohngebiets mitwirken können. "Und sicherlich ist das Forum auch ein Beitrag zur Kriminalitätsprävention, weil es Kinder und Jugendliche in seine Pläne und Angebote einbezieht."

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