Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 19. Januar 1999

Die Rettung der Buchschätze

Restaurierungsfortschritte an den Rückgaben aus Georgien und Armenien

0580502.gif
Beschädigte Kostbarkeiten, die liebevoll restauriert werden müssen, sind für Dr. Fligge (li.) und Dr. Schweitzer leider immer noch Alltag; Foto: C. Przywara

Da liegen sie nun nach einem halben Jahrhundert endlich wieder in der Stadtbibliothek, wo sie ja hingehören: die aus Armenien und Georgien zurückgekehrten Lübecker Bücherschätze. Vor allem die Georgier waren teils in sehr desolatem Zustand - erst der Feuchtigkeit aus- und somit Schimmel angesetzt, dann in extrem trockenen Klima gelagert. Das bringt nun Arbeit für die Restauratoren, um die Schätze zu sichern: Je nach Schwere des Schadens sind zwischen 100 und 4000 Mark für ein Objekt erforderlich. Dieses Geld ist aber im Etat der Stadbibliothek nicht drin. Da ist Hilfe gefragt.

Ein erster Spendenaufruf brachte bislang 210 000 Mark. Unter den Sponsoren finden sich große (wie die Possehl-Stiftung, die Arbeitgeber-Vereinigung, der Lions-Club Lübeck sowie der Verband Frau und Kultur) und auch viele kleine - Privatleute, denen ebenfalls an der Bewahrung von lübscher Tradition gelegen ist.

Eine Urkunde für Paten

Vor allem den 900 Lubecensien aus Georgien können Kleinsponsoren wieder auf die Beine helfen. Ein Beispiel:Für eben hundert Mark wurde der Einband einer sonst gut erhaltenen Inkunabel restauriert - und die Lübeckerin , die als Buch-Patin den Betrag beigesteuert hat, ist nun in dem Schriftstück als Spenderin vermerkt und hat auch eine Urkunde erhalten. Jeder Pate wird so geehrt.

58 der Einzelstücke aus Georgien konnten bislang mit einem Kostenaufwand von 110 000 Mark restauriert werden. Auch die 87 wertvollen Stücke aus Armenien bedürfen noch der Pflege. Die Ratshandschrift von Teil II der Dettmarchronik, die an die älteste chronikalische Überlieferung zur Lübeckischen Geschichte anschließt, wurde bereits restauriert. Die noble Pergamenthandschrift mit herrlichem Ledereinband hat dabei ein Geheimnis preisgegeben, das vor allem die Wissenschaftler begeistert.

Ein halbes Dutzend Restauratoren in Lübeck und außerhalb - die Stadtbi-bliothek hat noch immer keinen eigenen Spezialisten - arbeitet an dem bisher zurückgegebenen Bestand. Sie beheben Schmutz und Schäden an Pergament und Papier, Einband (meist Leder), reparieren gebrochene Buchdeckel und -schließen, ersetzen verlorengegangene Buchnägel (wie die Schließen aus Messing) oder ergänzen Schrift mit neuesten Methoden.

Die Stadtbibliothek ist modern und bürgernah und erhält die historische Substanz als hohes Kulturgut. Wer also in diesem Sinne helfen will, sollte sein Schärflein in Form einer Buch-Patenschaft beisteuern: Ein Informationsblatt und ein Antrag auf einen Spendenbeitrag sind in der Stadtbibliothek erhältlich.Güz

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de