Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 19. Januar 1999

Gesund bis ins hohe Alter

Die Lübeckerin Auguste Rohweder wird am 21. Januar 107 Jahre alt

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Die fast 107jährige Auguste Rohweder mit ihrem Sohn Günther; Foto: C. Przywara

Auguste Rohweder ist vermutlich die älteste Bürgerin Lübecks: am Donnerstag, 21. Januar, wird sie 107 Jahre alt. Zum Geburtstag werden ihr die Pfleger des Altenheims ein Ständchen bringen und die Familie - der einzige Sohn, die Schwiegertochter und die Enkelin - wird kommen. Wie schon in den vergangenen Jahren wird es sicherlich wieder ein Glückwunschschreiben und ein Geldgeschenk von Bundespräsident Roman Herzog geben. Auf jeden Fall kommen Glückwünsche von Ministerpräsidentin Heide Simonis sowie von der Stadt Lübeck, unterschrieben vom Stadtpräsidenten und dem Bürgermeister.

Auguste Rohweder wurde 1892 in Pogeez am Ratzeburger See geboren. Sie besuchte die Schule im Nachbarort Buchholz und mußte daher täglich mehrere Kilometer zu Fuß gehen. Daß sie einmal eine solch eiserne Konstitution bekommen und die meisten ihrer Altersgenossen um Jahrzehnte überleben würde, war nicht abzusehen: Als Kind war sie schwach, blaß und blutarm. Um sie aufzupäppeln, wurde sie von der Tante in den Keller gesperrt, aus dem sie erst wieder entlassen wurde, wenn sie die frische Kuhmilch ausgetrunken hatte.

Am liebsten an der Nähmaschine

Schon von klein auf kannte sie ihren späteren Mann Heinrich Rohweder, denn der wohnte auf dem benachbarten, nur 100 Meter entfernten Hof. Mit ihm drückte sie zusammen die Schulbank, gemeinsam wurden sie konfirmiert. 1917 schließlich heirateten sie und zogen in die Busekiststraße in Lübeck.

Auguste Rohweder machte eine Schneiderlehre in Lübeck und erlernte dort Fertigkeiten, an denen sie bis ins hohe Alter Spaß haben und von denen sie lange profitieren sollte: Sie nähte sich selbst und ihrem Sohn Günther alle Kleider.

"Sie ist immer wenig draußen an der Luft gewesen", erinnert sich Günther Rohweder. "Am liebsten hat sie an der Nähmaschine gesessen."

Auguste Rohweder hat sogar Kaiser Wilhelm II. einmal persönlich gesehen, als er im Zug an ihrem Heimatort vorbeifuhr. Und sie stammt aus der Generation, die das Café Niederegger noch unter dem Namen Köpff kennt. Zum Kaffeetrinken radelte sie so manches
Mal in die Stadt.

Auguste Rohweder ist bereits seit 41 Jahren Witwe. Zehn Jahre lebte sie fortan ganz allein, dann zog sie in eine kleine Einliegerwohnung im Haus des Sohnes. Mit 92 Jahren schließlich kam sie ins Altenheim im Jochen-Klepper-Haus in der Fliederstraße.

Zu dieser Zeit war sie noch sehr rüstig, las viel Zeitungen und Zeitschriften - wenn auch mit der Lupe -, häkelte und nähte, solange es die Augen zuließen. Bis ins hohe Alter von 102 Jahren mußte sie nicht einmal ins Krankenhaus und war bis auf die eine oder andere Grippe von Krankheiten verschont geblieben; eine Tatsache, die sie ihrer Frohnatur zuschreibt - sie sei "immer lustig" gewesen, erinnert sich ihr Sohn.

Noch mit 105 Jahren rief sie häufig bei ihrem Sohn Günther an, um mit ihm einen Klönschnack zu halten. Inzwischen allerdings hat ihr Gehör, ebenso wie das Augenlicht, nachgelassen. Und Vergangenheit, Gegenwart und Träume bringt sie inzwischen gelegentlich durcheinander - aber daß sie bald Ur-oma wird, das weiß sie ganz genau.

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