Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 16. März 1999

Auf den Spuren von Sherlock Holmes

Fundbüro-Mitarbeiter versuchen, rechtmäßige BesitzerInnen von abgegebenen Sachen zu ermitteln

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"Wie verliert man ein Gebiß?" fragt sich Peter Wangerin vom Fundbüro; Foto: N. Löwe

Manchmal hat man aber Glück und ein ehrlicher Finder oder eine ehrliche Finderin hat die schon verloren geglaubte Sache im Fundbüro abgegeben. Dort stapelt sich in den Regalen all das, was Leute so verlieren oder vergessen. "Rund 1300 bis 1400 Fundsachen werden im Jahr bei uns abgegeben", erzählt Peter Wangerin vom Fundbüro der Meldestelle in der Dr. Julius-Leber-Straße. "Fast die Hälfte aller Sachen können wir dem rechtmäßigen Besitzer wieder aushändigen, der Rest wird nach einem halben Jahr öffentlich versteigert".

Wirft man einen Blick in die prall gefüllte Asservatenkammer, kommt der Betrachter ins Grübeln: Wie zum Beispiel verliert man zwölf Weinflaschen? Oder einen Rollstuhl? Geschah womöglich ein Wunder und der Besitzer konnte schlagartig wieder laufen? Auch eine Holzsitzgruppe, eine Computeranlage oder ein Schlüsselbund mit 29 Schlüsseln geben viele Rätsel auf.

Nicht alles wird verloren

Peter Wangerin kann viele Geschichten erzählen. So wurde einmal eine sehr wertvolle und gut erhaltene Lederhandtasche abgegeben, die in einem Geschäft gefunden worden war. Anhand der sich darin befindenden Papiere konnte die Besitzerin schnell ausfindig gemacht werden. Aber als Wangerin sie anrief, um ihr die freudige Nachricht vom Fund der Tasche mitzuteilen, gab es eine Überraschung: "Ich habe sie absichtlich stehengelassen, weil ich sie nicht mehr haben will und einem Finder eine Freude bereiten wollte - ich dachte, jemand könnte sie noch gebrauchen, weil sie doch im gu-ten Zustand ist", bekam er zur Antwort.

In den Kellerräumen des ehemaligen LVA-Gebäudes fand der Hausmeister vor einiger Zeit ein völlig zerlegtes Rennrad. Nachdem er es wieder zusammengebaut hatte - es war wieder komplett funktionsfähig - brachte er es ins Fundbüro. Der Besitzer wurde anhand einer Diebstahlsanzeige bei der Polizei ausfindig gemacht. Wahrscheinlich hatte der Dieb das Fahrrad im Keller deponiert und wurde gestört. Der Schätzwert lag bei 4000 bis 5000 Mark. Leider durfte der Hausmeister - weil in Ausübung seines Dienstes - keinen Finderlohn geltend machen. Dennoch übergab der überglückliche Besitzer dem Hausmeister als Dank freiwillig einen Finderlohn.

Auch eine ältere Dame aus Hamburg war überglücklich, als ihr der Wachdienst der Königpassage ihre für immer verloren geglaubte antike Goldbrosche - ein Erbstück - überreichte; mit Tränen in den Augen gab sie freiwillig 500 Mark Finderlohn an die Männer. "Daß es noch so ehrliche Menschen gibt," freute sie sich.

"Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man bereits verloren geglaubte Dinge an den Besitzer zurückgeben kann", meint Wangerin. "Manchmal kommen wir uns ein bißchen wie Sherlock Homes vor, wenn wir unsere Nachforschungen anstellen, aber die Mühe lohnt sich immer."

Suche mit Stolperfallen

Den größten Erfolg hat der 37jährige bei dem Ermitteln von Geldbörsen-Besitzern, denn oftmals verraten innenliegende Papiere den Besitzer. Doch auch das kann eine Suche mit Schwierigkeiten werden: Einmal wurde eine Geldbörse mit diversen Zetteln unterschiedlicher Namen und Anschriften sowie zwei Sparbüchern abgegeben. Besitzer finden - kein Problem, dachte Wangerin. Er nahm mit zahlreichen Meldestellen Kontakt auf, um die Spur zu verfolgen. Der Besitzer des Portemonnaies war so oft umgezogen, daß Wangerin rund zweieinhalb Stunden quer durch Deutschland hinter ihm hertelefonierte, bis dieser seinen Besitz zurückerhalten konnte.

Es warten immer noch mehrere hundert Fundsachen auf die rechtmäßigen BesitzerInnen. "Oftmals rufen die Leute nur einmal an, kurz nachdem sie den Gegenstand vermissen", so Wangerin, "Manchmal kommt es zu Verzögerungen, bis der Gegenstand bei uns landet, etwa weil die Polizei Fundsachen entgegennimmt oder der Finder nicht gleich zu uns kommt". Sein Tip: Lieber einmal mehr nachfragen, auch wenn schon ein längerer Zeitraum verstrichen ist, denn ehrliche Finder gibt es öfter als man denkt.

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