Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 16. März 1999

Fundbüro platzt aus allen Nähten

10 000 bis 12 000 Gegenstände stapeln sich pro Jahr bei den Stadtwerken

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Werner Wachtel in der berfüllten Asservatenkammer; Foto: N. Löwe

Bis unter die Decke stapeln sich die Gegenstände im Fundbüro des Verkehrsbetriebes der Stadtwerke Lübeck am ZOB. Hier werden alle Dinge gesammelt, die von den Busfahrern beim Kontrollgang durch ihr Fahrzeug finden - rund 10 000 bis 12 000 Fundsachen pro Jahr. Etwa die Hälfte der Gegenstände können an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden.

Unter den Fundsachen sind nicht immer Dinge der angenehmen Art, weiß Werner Wachtel, Mitarbeiter im Fundbüro: "Eigentlich müßten wir hier eine Waschmaschine und einen Trockner haben, denn man kann sich leicht vorstellen, was für ein Duft von nassen Schwimmsachen oder verschwitzten Sportsachen ausgeht - vor allem nach ein paar Tagen". Aus diesem Grund werden auch Lebensmittel, die eine längere Lagerung nicht ohne sichtbare Veränderungen hinnehmen würden, nach einem Tag entsorgt.

Sieht man sich die Fundsachen in dem proppevollen Raum näher an, kann man fast Rückschlüsse auf das Wetter der vergangenen Wochen schließen: Da liegen Stapel von Regenschirmen, Sonnenbrillen - muß lange her sein - und haufenweise Handschuhe. Mancher Gegenstand läßt aber auch stutzen: Wie hat beispielsweise die Mutter ihr Kind nach Hause gebracht, wenn hier der Kinderwagen oder der Buggy steht? Und wie hat der Mensch ohne Gehhilfe seinen Weg bewältigt?

Andere Erlebnisse lassen die Fundbüro-Mitarbeiter auch schmunzeln, wie zum Beispiel der Schüler, der seinen Turnbeutel mehrmals absichtlich im Bus liegenließ, damit er verloren geht. Der Junge wollte neue Turnschuhe von einer anderen Marke haben. Aber es war wie verhext: jedesmal tauchte das Ding im Fundbüro wieder auf.

Anrührend dagegen die Geschichte der alten Dame, die ihr goldenes Armband im Wert von rund 7000 Mark verloren hatte. Sie bemerkte den Verlust erst nach drei Wochen, als sie wieder einmal es umbinden wollte. Überglücklich holte sie es beim Fundbüro ab - als Dankeschön gab es Pralinen für die "netten Männer".

Auch an die Dame aus Aachen, die nie in Lübeck Bus gefahren war, sondern nur am Hauptbahnhof den Zug wechselte, erinnert sich Wachtel. Ihr Portemonnaie fand man im Bus, anhand der Papiere wurde sie ausfindig gemacht. Dabei stellte sich heraus, daß ihr die Geldbörse gestohlen wurde und die Diebe sie im Bus zurückließen. "Es passiert immer häufiger, daß wir Dinge von Leuten finden, die selbst nie Bus gefahren sind, sondern die Diebe", meint Wachtel.

Wer im Bus etwas vergißt und es im Stadtwerke-Fundbüro abholt, muß mit einer Verwaltungsgebühr von mindestens drei Mark rechnen. Dafür muß kein Finderlohn gezahlt werden, denn die Busfahrer sind im Rahmen ihres Dienstes verpflichtet,Fundsachen in Verwahrung zu nehmen.

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