Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 16. März 1999

Der Bürger und die falsche Moral

Frank Wedekinds Skandalstück "Lulu" hat am kommenden Freitag Premiere im Großen Haus

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Frank und Tilly Wedekind im Deutschen Theater Berlin; Karikatur: Lida von Wedell

Frank Wedekind (1864-1918) gehörte zu den Schock-Autoren der Jahrhundertwende. Seine Stücke "Frühlings Erwachen" und "Lulu" faszinieren auch heute noch durch ihre bissige Kritik an falschen Moralvorstellungen. Besonders in "Lulu" attackiert Wedekind die Gesellschaft - und so ist es besonders reizvoll, wenn das Theater Lübeck nach Alban Bergs hier frappierend eindringlich gebotener Oper jetzt die literarische Vorlage auf die Bretter des Großen Hauses bringt.

"Lulu" ist Kadidja Wedekinds Zusammenfassung der beiden Tragödien ihres Vaters "Der Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora", die seinerzeit einen Skandal verursachte. Denn die Titelfigur, eine junge Frau, ist in ihrem aufreizenden Wesen regelrecht männermordend. Nicht nur Dr. Schön und sein Sohn Alwa, sondern auch die Gräfin Geschwitz zerbrechen an ihr - bis Jack the Ripper sie alle rächt. Als ebenso naive wie laszive Lulu faszinierte damals die blutjunge Tilly Newes, die bald den 20 Jahre älteren Frank Wedekind heiratete, dann unter seiner Regie und neben ihm in seinen Stücken in Berlin auf der Bühne stand.

Dieses expressionistische Werk inszeniert jetzt Hasko Weber (Dresden) in der Ausstattung von Ursula Müller. Als Lulu hat Katrin Grumeth eine sehr attraktive Aufgabe, den Schigolch spielt Jan-Peter Heyne, Saskia von Winterfeld die Gräfin Geschwitz. In zwei- und dreifachen Rollen sind Thomas Birklein, Paul Kaiser, Rainer Luxem, Dietrich Neumann und Christian Schulz dabei. Frank Wedekinds "Lulu" hat Premiere am Freitag, 19. März, 19.30 Uhr.Güz

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