Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 30. März 1999

Hanse im Aufbruch

Kommission beriet Konzepte für 21. Jahrhundert

Der Hansebund der Neuzeit, den die niederländische Stadt Zwolle im Jahr 1980 gründete, hat in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen erlebt: Mehr als 130 Städte aus 14 Nationen beteiligen sich inzwischen an dem jährlich stattfindenden Hansetag - ein weiterer Zuwachs ist nicht ausgeschlossen.

Damit ist die Hanse weltweit der größte Zusammenschluß von Städten auf freiwilliger Basis. "Diese Einzigartigkeit dürfen wir nicht abgleiten lassen", sagt Zwolles Delegierter John Berends am Wochenende in Lübeck. "Wir müssen mehr aus unserem Bund machen."

Ein lebendiges Miteinander

Franssen stand mit seiner Meinung am Sonnabend und Sonntag in Lübeck nicht allein. Sein Plädoyer für mehr Verbindlichkeit und Professionalisierung trug er vor auf der Kommissionssitzung der Hanse, die zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder in Lübeck stattfand. Knapp zwei Dutzend Hanseaktivisten aus zwölf Städten und sechs Ländern hatten sich im Rathaus eingefunden, um unter dem Vorsitz von Bürgermeister und Hansevormann Michael Bouteiller Wege in die Zukunft zu diskutieren. Mit dabei: die Bürgermeister aus Danzig (Gdansk), Breslau (Wroclaw), Oldenzaal und Zwolle. Das russische Novgorod war vertreten durch seine 2. Bürgermeisterin. Die Hansestädte Herford, Soest, Stade, Wesel, Visby und Brügge hatten Hansebotschafter entsandt.

Benötigt die Hanse, die in den vergangenen Jahren ein lebendiges Miteinander kultivierte und bislang ohne fixierte Regeln und Verträge auskam, eine Organisationsreform? Soll ein internationaler Hanseverein gegründet werden? Wird ein gewählter Vorstand benötigt? Muß eine hauptamtliche Geschäftsstelle her zur Professionalisierung des Zusammenschlusses, zur Intensivierung gemeinsamer Aktivitäten und zu einer besseren Vermarktung nach außen? Fragen, die in Lübeck durchaus kontrovers diskutiert wurden.

Einigkeit bestand darüber, daß die inhaltliche Arbeit verstärkt werden soll. Die Hanse versteht sich als ein internationaler, unmittelbarer Zusammenschluß von freien Städten mit gemeinsamen historischen Wurzeln, die sich auf kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und touristischen Feldern austauschen wollen. Ziele: Herauslösung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aus staatlicher Enge bei gleichzeitiger Festigung der Hanse-Identität sowie Förderung von Jugendprojekten zum Aufbau des neuen, demokratischen Europas.

Ob zur Durchsetzung dieser Ziele festere Strukturen und demokratische Führungsprinzipien notwendig sind, soll die Delegiertenversammlung im Juni beim 19. Hansetag in Oldenzaal entscheiden. Sagt sie dazu ja, wird die Kommission ein Statut entwickeln und die nötigen Gründungsvoraussetzungen schaffen.

Die Hansereform für das 21. Jahrhundert könnte dann auf Beschluß des Hansetages 2000 in Zwolle realisiert werden.

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