Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 30. März 1999

Geschichte fasziniert

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Antjekathrin Graßmann Foto: M. Erz

Archivleiterin Prof. Dr. Antjekathrin Graßmann

Sie wirkt im 30. Jahr in Lübeck und seit über zwei Jahrzehnten an führender Position: Prof. Dr. Antjekathrin Graßmann, Leiterin des Archivs der Hansestadt, das im vergangenen Jahr als eine der ältesten Einrichtungen dieser Art sein 700jähriges Bestehen beging. Frau Graßmann übt ihren Beruf aus, weil sie an ihm das Vergangene fasziniert. Man wird eine Sammlerin, Auswerterin und Katalogisiererin von Schriftstücken aller Art, von Urkunden ebenso wie von Nachrichten des Alltags, "wenn man ein kontemplativer Mensch ist" - sich also Zeit fürs Lesen nimmt. Frühes Interesse führte folglich zum Studium der Geschichte. In Bonn dann "fiel ich in die Hände der Stadtarchivarin - der Berufsberater wiederum meinte: Aktentragen ist nichts für Frauen, weil unangenehm und extrem staubig". Doch in den 60er Jahren mangelte es gehörig an Archivar-Nachwuchs. So konnte Graßmann wählen und entschied sich für die Stelle bei Dr. Olof Ahlers im Archiv der Hansestadt Lübeck - statt für eine Offerte aus Detmold.

Das Archiv ist das Gedächtnis der Stadt. Es verwaltet ihre geschichtlichen Quellen. Das bedeutet Arbeit an der Vergangenheit - für die Gegenwart und die Zukunft. Die Quellen füllen Regale von sechs Kilometern Länge im Neubau unterhalb des Doms, und jährlich kommen 70 bis 100 Meter hinzu. "In einer alten Stadt wie Lübeck fühlt sich jeder zur Anteilnahme verpflichtet", weiß Prof. Graßmann als Erklärung. Und es ist gleichermaßen die Ehrfurcht vor der Qualität der lübschen Überlieferung vom frühen Mittelalter bis zum heutigen Tag wie auch das Interesse daran, was die Benutzerzahlen des Lübecker Archivs stetig steigen läßt.

"Wir wollen diese Qualität erhalten", sagt die Archivarin, deren so erfolgreiches Wirken das Kultusministerium mit der Verleihung des Professorentitels ehrte. Denn zum Sichten, zum Erschließen und zum Verwalten kommt auch das Forschen. Hierfür bleibt leider immer weniger Zeit. Dennoch publiziert der im Archiv angesiedelte "Hansische Geschichtsverein" regelmäßig neue Erkenntnisse. Einen wesentlichen Bestandteil für das einstige Haupt der Hanse bilden weiterhin die Kontakte nach Osten: "Lübeck zeichnet die Offenheit nach allen Seiten aus - und es hatte schon früh den Blick für das ganze Europa." Güz

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