Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 04. Mai 1999

Keine Spur von Wahlkampf

Bürgerschaft: Engagierte aber faire politische Auseinandersetzung

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Echte Vorbilder: Im Umgang zeigten sich die Volksvertreterinnen und -vertreter liebenswürdig, in der Arbeit zügig; Gestaltung: S. Jahnke

Die Mitglieder der Lübecker Bürgerschaft zeigten sich am vergangenen Donnerstag als vorbildliche Volksvertreterinnen und -vertreter: Die aus vorangegangenen Sitzungen bekannten leidenschaftlichen Debatten, die verbal des öfteren unter die Gürtellinie gerieten, blieben aus; statt dessen bemühten sich die Damen und Herren um einen liebenswürdigen, der Würde des lübschen Stadtparlamentes angemessenen Umgang miteinander. Das kam auch dem Abarbeiten der umfangreichen Tagesordnung entgegen: Bereits um 22 Uhr war die 11. Sitzung in der Wahlperiode 1998 bis 2003 beendet - mitsamt des nicht-öffentlichen Teils. Zuletzt begann dieser Teil nie vor
22.30 Uhr.

Mit dem Verzicht auf eine aggres-
sive Auseinandersetzung, die im beginnenden Bürgermeisterwahlkampf zuweilen bis an die Grenze der persönlichen Beleidigung gingen, wurde die Sitzung des Stadtparlaments keineswegs leidenschaftslos oder uninteressant. Im Gegenteil: In der Sache überzeugend, trugen die Volksvertreterinnen und Volksvertreter ihre Ansichten zu den einzelnen Themen vor, um im Anschluß daran abzustimmen. Und auch hier gab es diesmal überwiegend einstimmige, zumindest aber mit großer Mehrheit getroffene Beschlüsse.

Fraktionsübergreifendes Lob

Mit der Zustimmung zur Umgründung der Stadtwerke Lübeck wurde dabei auch eine Entscheidung von durchaus historischer Bedeutung getroffen.

Der erfrischend faire Umgang miteinander wurde fraktionsübergreifend praktiziert; Roswitha Kaske von der CDU beispielsweise lobte Antje Jansen von den Bündnisgrünen ausdrücklich dafür, daß sie einen Antrag über die weitere Nutzung der Räume des bisherigen Kindergartens "Im Brandenbaumer Feld" gestellt habe.

CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Puschaddel wiederum lobte die SPD für ihren Antrag zur Kardiologie im Städtischen Krankenhaus Süd:"Ein ausgezeichneter Antrag." Und daß die Grünen beantragten, daß die in der Verkehrsstatistik aufgezeigten Gefahrenpunkte für RadfahrerInnen beseitigt werden sollen, fand Ulrich Pluschkell von der SPD "nicht nur unschädlich, sondern gut." Als allerdings Carl-Wilhelm Howe sich zum Thema "Ausstellung über Verbrechen der Wehrmacht" gemeldet hatte, dann aber ausführlich Stellung bezog zum Kosovo-Konflikt, platzte dem Stadtpräsidenten Peter Oertling (SPD) der Kragen - er schaltete Howe das Mikrofon ab.

Ansonsten aber dürften die Volksvertreterinnen und -vertreter der Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden aus vollem Herzen zugestimmt haben, der während eines Redebeitrages anmerkte: "Ich bin erschlagen von dem geballten Charme dieser Sitzung."

Siehe auch Seiten 6 und 7

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