Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 04. Mai 1999

Erste Schritte zum Leitbild

Zwei Arbeitsgruppen nehmen Arbeit auf - Konzept soll geändert werden

Die sogenannte koordinierende Diskursgruppe für die Entwicklung eines Leitbildes für Lübeck (wir berichteten) hat in der vergangenen Woche sechs Arbeitsgruppen gegründet, die sich mit Themen auseinandersetzen sollen, die in die Leitbildentwicklung einfließen werden. Zur gleichen Zeit wurde ein Appell (siehe rechts) der TeilnehmerInnen der zweiten Open-Space-Konferenz an Bürgermeister Michael Bouteiller übergeben. Der Appell sei notwendig, so Agenda 21-Teamleiter Frank-D. Lammert, weil das am 20. April beschlossene Konzept zur Leitbildentwicklung "Defizite und Risiken" beinhalte.

Die auf "produktiven Streit" ausgelegte Diskursgruppe, so Leitbild-Moderator Dr. Frank Claus, hat auf ihrer ersten Zusammenkunft die Themen und Organisation der Arbeitsgruppen festgelegt. Noch vor der Sommerpause werden die ersten beiden Arbeitsgruppen tagen; deren Ergebnisse werden ebenfalls noch vor der Sommerpause in der aus 15 Organisationen bestehenden Diskursgruppe beraten, die sich erneut am 16. Juni und am 13. Juli treffen wird.

Helga Lietzke, Telefon (0451)
5 33 31, von der Arbeitsgemeinschaft Lübecker Frauenverbände hat die organisatorische Verantwortung für die Arbeitsgruppe "Interessenkonflikte zwischen Naturschutz, Tourismus und Sport" übernommen, während Propst Dr. Nils Hasselmann, Telefon (0451)
79 02 104, sowie Hans-Dieter Grünfeld, Telefon (0451) 3 58 58, von der Interkulturellen Beratungsstelle die Ansprechpartner für die Arbeitsgruppe "Dialogkultur und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne" sind.

Keine gemeinsame Haltung

Beide Arbeitsgruppen sollen sich nur einmal treffen, um die Positionen zu den Themen zu sammeln. Die Erarbeitung einer gemeinsamen Haltung ist nicht vorgesehen. Die Teilnahme an den Arbeitsgruppen steht allen Interessenten frei; Anmeldungen nehmen die Verantwortlichen entgegen.

Die rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der zweiten Open-
Space-Konferenz in der Geschwister-Prenski-Schule am 24. April begrüßten zwar grundsätzlich die Leitbildentwicklung, aus der Diskussion und der Arbeitsgruppenbearbeitung heraus ergaben sich jedoch wesentliche Kritikpunkte am Konzept. Ein Leitbild mache heutzutage nur noch dann Sinn, wenn es "zukunftsfähig" beziehungsweise "nachhaltig", also im Sinne der weltweiten Bewegung "Agenda 21" sei. Ob das angelaufende Verfahren dieses - nach Auffassung der Konferenz - selbstverständliche Ziel erreichen werde, sei offen, hieß es.

Die Zusammensetzung der Gremien beispielsweise spiegele nicht die gesellschaftliche Situation in Lübeck wider; außerdem fehle es an Information über eine zukunftsfähige Leitbildentwicklung sowie an der thematischen Offenheit der Arbeitsgruppen.

An dieser Einstellung konnte auch Stadtmoderator Claus nichts ändern, der den KonferenzteilnehmerInnen das Verfahren zur Entwicklung eines Leitbildes erläuterte. Denn die zweite Open- Space-Konferenz verabschiedete ohne Gegenstimmen den Appell an die Verantwortlichen in der Stadt, die noch bestehenden Verfahrensdefizite und Risiken bei der Leitbildentwicklung zu beseitigen.

Im Rahmen der Konferenz - die erste fand Ende Januar statt - wurden darüber hinaus detaillierte Aussagen zu den im Leitbildprozeß vorgesehenen Arbeitsgruppen, zur direkten Mitwirkung von Kindern, zum globalen Denkansatz, zur Forderung des multikulturellen Lebens in Lübeck sowie zum WeltbürgerInnentum erarbeitet.

Da der Weg zur Leitbildentwicklung bereits mehrheitlich beschlossen wurde, erscheint zur Zeit fraglich, daß der Appell darauf noch einwirken kann.

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