Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 22. Juni 1999

"Kinder erwarten die richtig"

Pausenbetreuung an Marien-Schule: Entspanntere Schüler

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Sehr beliebt: Seilspringen auf dem Schulhof der Marien-Schule; Foto: M. Langentepe

Große Pause an der Marien-Schule: Aus allen Richtungen stürmen Kinder heran, im Nu ist der Schulhof eine riesige Spiel- und Sportfläche. Während die einen Seilhüpfen, die anderen Tischtennis spielen, buddeln einige Jungs ganz intensiv im Sandkasten, in deren Mitte ein modernes Holzklettergerüst steht. Eine Pause, wie an jeder anderen Grundschule in Lübeck? Nur auf den ersten Blick.

Seit Ostern 1998 läuft an der Marien-Schule, in dieser Form bislang einzigartig in Lübeck, das Projekt Pausenbetreuung. Auf Initiative der Eltern und Lehrkräfte wurden im Frühjahr 1997 Vorschläge erarbeitet, wie die Pausenqualität der Erst- bis Viertkläßler verbessert werden könnte. Gemeinsam mit Pädagogen des benachbarten Burgtorzentrums, zu denen Lehrerschaft und Eltern gute Kontakte hatten und haben, entstand das Gemeinschaftsprojekt.

20 engagierte Eltern

Vor den Osterferien 1998 war es dann soweit. Für die Kinder wurde eine Projektwoche genutzt, um mit ihren Lehrern die neuen Pausenregelungen zu besprechen. Diese hatten Eltern, Burgtor-Pädagogen und Lehrer zuvor vereinbart. Statt 15 dauert die große Pause - gegen 9.30 Uhr - nun 20 Minuten. Außerdem einigten sich die Beteiligten darauf, auch das Schulgebäude selbst in die neue Form der Pausenbetreuung einzubeziehen. Hintergrund war die Überlegung, daß etwa ein Drittel der Kinder in der Pause Bewegung und viel Platz braucht, während die übrigen sich lieber entspannen oder ruhig spielen wollen. Eltern, Lehrer und Pädagogen des Burgtor-Zentrums übernahmen die Verantwortung und Betreuung der Kinder. So unterstützen täglich zwei Eltern die Lehrer bei der Aufsicht und unterbreiten den Kindern an zwei Tagen in der Woche Innenangebote. Dazu zählt das sehr beliebte Vorlesen von Geschichten in der Kuschelecke.

Die etwa 20 engagierten Eltern sind eine feste Stütze des Projekts, berichtet Annette Finck-Rössger, Mutter eines Schülers der Marien-Schule und Mitglied in der AG. Den Einsatz der Mütter und Väter regelt ein Terminplan. Wer einmal nicht kann, schickt eine Vertretung und holt die Zeit nach. Da jedes Jahr Schüler die Grundschule verlassen, gehen mit ihnen auch engagierte Eltern fort.

Insofern hofft sie, daß sich auch unter den Eltern der neuen Schüler solche befinden, die das Projekt unterstützen wollen. Denn daß es sich lohnt, davon überzeugte sich am Montag auch Schulsenator Ulrich Meyenborg: Das Aggressionspotential der Kinder ist stark zurückgegangen, die Mädchen und Jungen gehen nach der großen Pause viel entspannter zurück in den Unterricht und auch das gegenseitige Stören der Kinder im Klassenraum konnte dank des Projekts zurückgeschraubt werden.

Bislang sei die Pausenbetreuung nicht ein einziges Mal ausgefallen, berichtet Julia Borck, Pädagogin des Stadtteilzentrums Burgtor. Wie auch? "Die Kinder erwarten die richtig", sagt sie.

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