Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 22. Juni 1999

GeistReich

Wer überlebt wen?

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Mit und von Jonas Geist

Es gibt in der reichen Lübeck-Literatur ein Buch, in dem ich immer wieder lese, das ist das 1933 noch erschienende "Lübecker Kunstpflege 1920 - 1933", der Rechenschaftsbericht des Museumsdirektors Karl Georg Heise. Erschienen im Moment seiner Entlassung aufgrund des § 6 des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten", das Instrument Hitlers, Gegner aus öffentlichen Positionen zu entfernen. Berufsbeamte waren in der Weimarer Republik abgeschafft, sind unter Adenauer wieder eingeführt worden und sind heute diejenigen, die die Hochschule zu einer unreformierbaren Immobilie machen.

1934 wurden die Museen verstaatlicht, die vorher der Gemeinnützigen Gesellschaft unterstanden. Ich lese gerne in dem Buch, weil ich vieles und viele, was und die mir von Kindesbeinen an vertraut ist und sind darin wiederfinde.

Die Einleitung ist für die, die jetzt nach der nächsten Person, die hoffentlich von außen kommt, suchen, eine heilsame Lektüre. An den PG-Schröder habe ich noch keine Erinnerung, wohl aber an Heise, aber erst nach dem Krieg als Direktor der Hamburger Kunsthalle. Dem PG-Schröder folgte Arnold Gräpke, den ich erinnere, weil die ersten Ausstellungen der Overbeck-Gesellschaft im
St. Annen-Museum stattfanden - vielleicht weil noch nichts zum Heizen da war.

Ihm folgte Fritz Schmalenbach, dessen Arbeit über den Jugendstil von 1935 sich tapfer in meinen Regalen hält. Unter ihm gingen Museum und OG wieder eigene Wege, ich habe ihn als unzugänglich in Erinnerung. Ihm folgte Wulf Schadendorf, dem wir die Einrichtung der Geschichtswerkstatt in Kücknitz verdanken, die ein zähes Eigenleben entwickelt hat. Ihm trauere ich nicht nur wegen der jeweils eigenen und doch gemeinsamen Arbeit am Holstentor, die uns verband nach, sondern weil er ein so lebendiger Museumsmann war, mit dem man sich so toll streiten aber auch verstehen konnte. Ihm folgte Gerkens, dem ich den Einbau der großen Vitrine mit der Spielzeugsammlung meines Vaters verdanke, die das
St. Annen-Museum übernahm. Er hatte es in Lübeck nicht leicht, wo so viele selbst Direktor spielen wollen, besonders wenn sie Geld haben. Er hat den Ausbau des Museums über dem Kirchengrundriß nicht mehr erlebt.

Das Kloster als europäisches kulturelles Grundmuster mit dem Kreuzgang als begehbarer Tageslauf, wie sehr eignet es sich zum Museum. Nun sind schon zwei in Lübeck diesem Zweck
übereignet worden, im dritten wurde ich altsprachlich gequält. Ich wünsche der ja mit dem ausbaufähigen Burgkloster weiter angereicherten Museumslandschaft eine phantasievolle Zukunft.

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