Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 16. Dezember 1997

Volle Straßen, volle Parkplätze

Lübecks Innenstadthandel erlebt einen vorweihnachtlichen Boom

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Die Breite Straße vor dem Rathaus: Schwarz vor Kunden und Kundinnen. Foto: M.Erz

Sonnabend im Dezember in Lübeck: Die Fußgängerzone in der Innenstadt ist schwarz von Menschen. Keine Maus scheint mehr ins dichte Gedränge zu passen. In der Breiten Straße und Königstraße ist kein Vorankommen. Nicht viel anders ist es in der Holstenstraße oder der Beckergrube. Und: Die Autostaus auf den Einfahrtstraßen nehmen kein Ende, die Parkplätze sind voll. Kein Zweifel - Lübecks vorweihnachtlicher Handel "brummt".

In Vergessenheit geraten scheinen die im Sommer massiv vorgetragenen Klagen der Wirtschaft, der Innenstadthandel leide wegen Verkehrsberuhigung an drastischen Umsatzrückgängen, sei gleichsam dem Untergang nahe, "blute aus", "sterbe in Schönheit" und sei "zu Tode beruhigt" worden. Wirklich alles vergessen?

Psychologie in den Köpfen

"Nein", sagt der künftige Geschäftsführer des Lübeck-Managements, Florian Birk, "die volle City in der Vorweihnachtszeit darf nicht über die tatsächlichen Probleme hinwegtäuschen, im Januar sieht alles schon wieder ganz anders aus."

Den Beschluß der Bürgerschaft vom Oktober zur Konzeptionsänderung der Verkehrsberuhigung, den Bürgermeister Michael Bouteiller in Verhandlungen mit der Wirtschaft ermöglicht hatte, hält der Mensing-Nachfolger für gut. "In dem Papier werden die richtigen Wege aufgezeigt, allerdings hätten wir uns gewünscht, wenn einige davon früher - also noch in diesem Jahr - umgesetzt worden wären." Dem pflichtet auch Hans Frick, Vorsitzender des Lübecker Einzelhandelsverbandes, bei. Die Wirtschaft wolle keineswegs zurück zu einer uneingeschränkt befahrbaren Altstadt. "Wir wollen nicht die Autos, wir wollen die Kunden", sagt Frick. "Aber hier in Lübeck hat man den zweiten vor dem ersten Schritt getan, man hätte erst ein Tangentensystem bauen sollen, um von dort aus die Stadt zielgenau anfahren zu können." Aber das viel größere Problem sei, so Frick, "die Unerreichbarkeit der City aus den Köpfen der Menschen zu bekommen. Das ist ein psychologisches Problem."

Für richtig hält Frick den Vorschlag, die zeitliche Begrenzung der Verkehrsberuhigung wieder abzuschaffen und eine Rund-um-die-Uhr-Regelung einzuführen. Für die sogenannten Rippenstraßen (u.a. Wahm-, Hüx-, Fleischhauerstraße) müsse es eine neue Devise geben: Den Verkehr nach Möglichkeit eindämmen, aber die Erreichbarkeit der Geschäfte sichern. Hindernisse im Straßenraum, wie Blumenkübel oder Erhöhungen in der Fahrbahn sollen den Durchgangsverkehr unattraktiv machen.

Als "trügerisch" bezeichnet Frick den Augenschein von einem florierenden Weihnachtsgeschäft. "Es gibt bundesweit einen fünfprozentigen Umsatzrückgang, dazu kommen in Lübeck wegen unsicherer wirtschaftlicher Verhältnisse noch einmal zwei Prozent minus - und die Diskussion um die Verkehrsberuhigung bringt als i-Tüpfelchen noch ein bis zwei Prozent Rückgang obendrauf."

Die Halbzeitbilanz des Handels in der Vorweihnachtszeit sei zwar nicht erschreckend negativ, "aber es gibt auch keinen Grund zur Freude - die Umsätze entsprechen ungefähr dem Vorjahresergebnis."

Abgerechnet wird erst Ende des Monats. Und da besteht noch Hoffnung. Oder, wie sagte der Geschäftsführer eines umsatzstarken Geschäftes in der Breiten Straße: "Nicht schlecht, was wir derzeit erleben. Wir sollten uns deshalb überlegen, ob wir Weihnachten nicht viermal im Jahr veranstalten können."

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