Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 10. August 1999

Guter Rat

Das Recht auf Widerruf

Ein Grundstückseigentümer wird unvorbereitet und ungebeten von einem Vertreter besucht, der erklärt, daß er zufälligerweise gesehen habe, daß am Hause des Besuchten das Dach (Wände, Fenster) renovierungs- beziehungsweise erneuerungsbedürftig seien. Rein zufällig ist der Besucher der Vertreter einer namhaften Firma, die sich mit der Neulieferung beziehungsweise Renovierung der angeblich desolaten Bauteile beschäftigt. Der Besucher verwickelt den Eigentümer in ein Gespräch und so kommt es, daß der Eigentümer - ohne dies zu wollen - plötzlich ein oder zwei Unterschriften auf einem Vordruck leistet - dies eventuell sogar unter dem Vorwand, der Vertreter benötige die Unterschrift als Besuchsbestätigung für seinen Arbeitgeber. Als der Grundstückseigentümer dann noch einmal die Unterlagen überprüft, sieht er plötzlich, daß er einen Auftrag zur Erneuerung beziehungsweise Renovierung von Bauteilen unterzeichnet hat. Der Auftrag hat ein beachtliches Finanzvolumen.

Zunächst muß der Eigentümer überprüfen, ob der Auftrag zwei Unterschriften enthält: Eine Unterschrift unter dem eigentlichen Auftrag und eine gesonderte Unterschrift unter einer sogenannten Widerrufsbelehrung. Ist dies der Fall, muß der Eigentümer sofort per Einschreiben mit Rückantwortkarte innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist von einer Woche ab Abgabe der Willenserklärung (=Unterschrift) den Auftrag schriftlich widerrufen.

Der Betroffene sollte die Durchschrift seines Widerrufschreibens zusammen mit der Rückantwortkarte, die von der Post nach Zustellung des Widerrufschreibens an die Firma an den Betroffenen zurückübermittelt wird, und zusammen mit dem Auftragsdoppel aufbewahren.

Ist keine gesonderte Widerrufsbelehrung auf dem Auftragsvordruck unterzeichnet, kann sich der Kunde grundsätzlich länger Zeit lassen: Das Widerrufsrecht des Kunden besteht bis zum Ablauf eines Monats nach vollständiger Leistungserbringung durch den Vertragspartner.

Aus Sicherheitsgründen sollte allerdings in jedem Fall so schnell wie möglich in der oben beschriebenen Weise der Auftrag widerrufen werden.

Bei derartigen Vertragsabschlüssen sollten Betroffene auch immer überprüfen, ob das Auftragsdatum korrekt den Tag vermerkt, an der der Kunde tatsächlich Auftrag und gegebenenfalls Widerrufsbelehrung unterzeichnet hat. Gelegentlich versuchen Vertreter nämlich, durch Rückdatierung der Auftragsformulare die einwöchige Widerrufsfrist zu unterlaufen oder zu verkürzen. Ist eine Rückdatierung des Auftrags erfolgt, sollten sich Betroffene umgehend rechtlich beraten lassen - zum Beispiel bei der

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