Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ausgabe vom 17. August 1999

Wahrzeichen der Reichsfreiheit

Schon 1926 Nachbau einer Hansekogge - Olympisches Feuer an Bord

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Jochen Dring kann sich noch an das "exklusive" Kaffeetrinken gegen Brotmarken auf der "Hanse-Kogge" erinnern und fand in seinem Archiv alte Bilder: Die Kogge in Travemnde und ihr trauriges Ende im Holstenhafen; Fotos: Privat

Bald soll wieder ein Schiff der Hanse, diesmal eine Kraweel, als Botschafterin des Weltkulturerbes Lübeck auf Reisen gehen. Doch bereits 1926 ließen die Lübecker schon einmal die hansische Schiffahrt wiederaufleben. Zur Erinnerungsfeier an die vor 700 Jahren verliehene Reichsfreiheit bauten sie eine Hanse-Kogge nach. Sogar Thomas Mann, der eigens zu diesem Anlaß nach Lübeck reiste, soll der Kogge einen Besuch abgestattet haben. Im Holstenhafen, An der Untertrave, ging sie vor Anker und wurde später zum wohl prominentesten Restaurantschiff der Stadt.

Nach alten Modellen aus der Zeit vor 400 Jahren, wie die des lübschen Admiralsschiffs "Der Adler von Lübeck" sowie den hansischen Kriegsschiffen "Die Hoffnung von Lübeck" oder "Der Löwe", wurde 1926 auf dem Werftplatz von Bars & Petersson bei der Wielandbrücke eine Tjalk, ein bauchiges Segelfrachtschiff, zu einer lübschen Kogge umgebaut. Sie war 22 Meter lang und sechs Meter breit. Im Inneren sollte sie recht geräumig sein, um für Ausstellungen kolonialen Charakters und einem Erfrischungsraum Platz zu bieten - so die ursprünglichen Planungen.

Zum Schluß des Jubeljahres 1926 ging die Kogge in den Besitz des Lübecker Yacht-Clubs (LYC) über und wurde fortan nicht für Ausstellungen, sondern als Schankwirtschaft genutzt.

Am 3. August 1936 erreichte das olympische Feuer auf seinem Weg von Berlin nach Kiel, wo die Segelwettfahrten ausgetragen wurden, Lübeck. Feierlich wurde es am Holstentor empfangen. Die Hansekogge brachte das Feuer zu den Olympischen Spielen nach Kiel, wo es neun Tage an Bord loderte.

1941 verkaufte der LYC die Kogge an den Kellner Paul Töpper. Trotz Krieg blieb es ein beliebter Treffpunkt, um Essen zu gehen oder und Kaffee zu trinken. Viele Geschichten ranken sich um die letzten Jahre des Schiffes. So kann man der Gewerbe-Polizei-Akte entnehmen, daß Töpper "versuchtes Wirtschaftsverbrechen" vorgeworfen wurde, da er überhöhte Preise forderte. Außerdem sollen auf der Kogge "wilde Wetten und Glücksspiele" an der Tagesordnung gewesen sein und auch eine Zusammenarbeit mit dem Rotlichtmilieu "Clemensstraße" schloß man nicht aus.

Ein Sturm, der im September 1950 im Hafen extremes Niedrigwasser verursachte, bedeutete dann das Ende für die Kogge: Sie setzte auf Grund und legte sich zur Seite. Wasser drang in das schon morsche Schiff ein und trotz Tauchern, die Bullaugen und Ankerklüsen abdichteten, gelang es der Feuerwehr nicht, das Schiff leerzupumpen. Schließlich wurde die Rettung aufgegeben und das Schiff abgewrackt.

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