Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 17. August 1999

Naturkunde für alle

Walbaums Sinn für Gemeinnützigkeit

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Von Johann Julius Walbaum profitieren die Lbecker noch heute; Foto: Privat

Johann Julius Walbaum, 1724 in Wolfenbüttel geboren, zog 1749 nach Lübeck. Dem jungen Arzt und Naturforscher gelang es schnell, das Vertrauen einflußreicher Bürger zu gewinnen. Bald galt er als einer der bedeutendsten Mediziner der Stadt. In seiner Freizeit widmete sich Walbaum intensiv der Pflanzenkunde und der Zoologie. Der Pflanzenkenner bevorzugte einheimische Arzneimittel und verfaßte ein zweibändiges "Verzeichnis einer vollständigen Apotheke".

Als praktisch denkender Mensch war er oft erfinderisch tätig. Es reizte ihn, Ideen zu verwirklichen, die den Alltag erleichterten oder Rohstoffe ein-
sparen halfen. So baute er zum Beispiel einen Küchenventilator oder begeisterte sich für die Herstellung von umweltfreundlichem Papier.

Das Gemeinwohl lag Walbaum besonders am Herzen. Als Mitglied der 1789 gegründeten "Litterarischen Gesellschaft", in der geistige und wissenschaftliche Interessen ausgetauscht werden konnten, bewirkte er 1793 die Ausrichtung der Vereinigung auf ge-meinnützige Tätigkeiten. Die "Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeiten" besteht noch heute.

Als Walbaum im August 1799 starb, hinterließ er eine umfangreiche Naturaliensammlung, die ein Herbarium, Muscheln, Schnecken, Korallen, Fische, Schildkrötenschalen, Insekten, Mineralien sowie einige Säugetiere und Vögel umfaßte. Sie sollte der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden und legte den Grundstein für das 1893 am Dom eröffnete Naturhistorische Museum. Erst 1934 wurde die Einrichtung der "Gemeinnützigen" verstaatlicht.

Ein Bombenangriff im Jahre 1942 zerstörte das prächtige neugotische Gebäude samt seiner umfangreichen naturkundlichen Sammlungen. Der Neuaufbau einer naturgeschichtlichen Schau- und Forschungssammlung begann 1951 in einem Provisorium an der Königstraße. Bereits zehn Jahre später platzte das Museum aus allen Nähten. Ein Neubau mußte dringend her. An seinem ursprünglichen Platz am Dom entstand das neue Gebäude, in dem das Museum seit 1963 untergebracht ist.

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