Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 16. Dezember 1997

Kulturelle Bereicherung für die Landkreise

Die Würfel sind gefallen: Theater wird GmbH * Herzogtum Lauenburg möchte nachverhandeln

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Warten auf die GmbH: Theatermanager Parr und von Oertzen (v.l.) Foto: M. Erz

Grünes Licht für die Theater-GmbH. Mit dem jüngsten Beschluß der Bürgerschaft kann die Umorganisation der Lübecker Bühnen nun starten. Nach ihrer Meinung gefragt äußerten sich die Landkreise zu dem Beschluß. "Wir erhoffen uns eine kulturelle Bereicherung im Landkreis Nordwest-Mecklenburg," begründete der stellvertretende Landrat Udo Paff die Beteiligung an der Lübecker Theater-GmbH. Die neue Betriebsform sieht vor, daß es fünf Gesellschafter geben soll, die alle bei den Belangen des Theaters mitbestimmen können: neben der Hansestadt Lübeck und dem Verein der Theaterfreunde sind dies drei Landkreise. Auch der Kreis Ostholstein äußerte sich zufrieden darüber, daß das Lübecker Theater mit seiner Umwandlung in eine GmbH auch in den Landkreisen spielen wird. "Immerhin," so der Pressesprecher Hans-Bernd Schwark, "kam bisher ein Viertel der Theaterbesucher aus dem Kreis Ostholstein." Das Herzogtum Lauenburg hingegen möchte noch nachverhandeln. Jürgen Meier vom Kulturamt ist unzufrieden, daß für zukünftige Entscheidungen eine Dreiviertel-Mehrheit genügen soll. Da die Hansestadt mit 50 Prozent der größte Anteilseigner ist, sieht Meier die Position der Landkreise geschwächt, wenn nicht einstimmige Beschlüsse zur Grundbedingung gemacht werden. Kultursenator Ulrich Meyenborg erklärte dazu: "Eine Einstimmigkeit wird nicht funktionieren, einen Intendanten beispielsweise einstimmig zu wählen, ist völlig ausgeschlossen.'' Die Landkreise haben ohnehin einen großen Spielraum. Man muß doch die Kirche im Dorf lassen.

Meyenborg sieht in dem GmbH-Vertrag ein zukunftsweisendes Modell. So seien nicht nur die Regionen miteinbezogen worden, sondern auch eine Ausgewogenheit zwischen allen beteiligten Gruppen innerhalb des Theaters erzielt worden. "Die Rechte der Beschäftigten sind gesichert, das Konzertwesen gestärkt und die Eintrittspreise bleiben sozial ausgewogen," sagte Meyenborg. Die GmbH sei ein Garant für das Fortbestehen des Lübecker Theaters.

Die GmbH wurde in der jüngsten Bürgerschaftssitzung mit den Stimmen der SPD beschlossen. Die Grünen stimmten dagegen, während sich CDU und WIR enthielten. Hannes Schmidt-Bianchi von der CDU kritisierte, daß die Privatisierung nicht weit genug gehe. Nicht nur die Hansestadt, auch die übrigen Gesellschafter sollten bei den Zahlungen für das Theater stärker in die Pflicht genommen werden. Bisher zahlt die Hansestadt 40 Prozent und das Land Schleswig-Holstein 60 Prozent von den jährlich 35 Millionen Mark teuren Kosten. Eine vergleichsweise hohe Summe, nämlich 4,5 Millionen, spielt das Theater selbst ein.

Die Grünen lehnten die GmbH ab. Sie befürchten eine Verflachung des Spielplans und forderten in ihrem Antrag die Überführung des Theaters in einen Eigenbetrieb, um den Einfluß der städtischen Gremien zu gewährleisten. "Der öffentliche Kulturauftrag ist nicht betriebswirtschaftlich zu organisieren," argumentierte Hans-Jürgen Schubert von den Grünen. Frank-Thomas Gaulin von der SPD hingegen verwies auf die Mehrheitsverhältnisse in der GmbH: "Die Anbindung des Theaters an die Hansestadt ist nach wie vor gegeben."

Die Finanz- und Personalentscheidung kann das Theater damit künftig in eigener Regie durchführen. Das Theater erhofft sich damit insgesamt eine straffere Organisation und ein effizienteres Wirtschaften.

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