Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 16. Dezember 1997

Einseitige Zeitungskosteinigen nicht bekommen

Zu: Herausgabe der SZ.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich im Mai an einer Einwohnerversammlung teilgenommen. Ich war sehr erfreut und zugleich fürchterlich entsetzt: Erfreut, weil jeder Teilnehmer auch die Gelegenheit zur Diskussion erhielt. Entsetzt, weil auf mein Argument, daß die Demokratie ein zu kostbares Gut ist, um es den Meinungsmachern einer einzigen Zeitung zu überlassen, etwa die Hälfte der Anwesenden mit Buh-Rufen reagierte.

Für mich ist das ein Beweis, daß den Leuten die einseitige Kost nicht richtig bekommen ist und ein Grund mehr, die Gesellschaft mit einer zweiten Zeitung zu bereichern.

Bei den LN-Berichten über die Einwohnerversammlung wurde das genannte Argument - der Demokratie wegen - nicht erwähnt. Dies zeigt, wie die Monopolstellung die LN in die Lage versetzt, für sich Angenehmes zu veröffentlichen und Unangenehmes nicht. Um sich eine korrekte Meinung zu bilden, brauchen die Menschen vollständige Informationen. Deswegen braucht die Bevölkerung auch die zweite Zeitung.

Von den LN wurde nicht erwähnt, daß ihr für amtliche Bekanntmachungen der Stadt Lübeck der sichere Auftrag der Stadt von 500 000 Mark durch die neue Zeitung eventuell verlorengehen könnte. Dies kann man als Unterschlagung von Informationen bewerten, was wiederum für die Gründung einer zweiten Zeitung sprechen würde. Eine unterschlagene Nachricht ist auch eine Nachricht, die die öffentliche Meinung beeinflussen kann.

Die Wahrscheinlichkeit, daß die Zeilen, die gegen die LN-Interessen gerichtet sind, nicht veröffentlicht werden, ist groß. Daher wäre eine Nichtveröffentlichung ein Beweis mehr, daß die neue Zeitung mehr als notwendig ist.

Dusan Nonkovic, Lübeck

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