Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 28. September 1999

Treibjagdunfälle in der Altstadt?

Hans-Jürgen Schubert: Viele Fragen zum geplanten Hundeleinenzwang

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Hans-Jürgen Schubert Foto: T. Wewer

Tierisch wird es in der Bürgerschaftssitzung am Donnerstag zugehen, wenn die Anfrage von Hans-JürgenSchubert (Bündnis 90/Die Grünen) zum Hundeleinenzwang aufgerufen wird. Die Verordnung, von Bürgermeister Mi-chael Bouteiller noch gar nicht unterschrieben und mithin auch noch gar nicht in Kraft, hat als bloße Ankündigung bereits eine öffentliche Diskus-
sion in Gang gesetzt. Nun setzt Schubert mit seiner Anfrage noch eins drauf: Auf welche "repräsentativen Umfragen über die subjektiven Gemütszustände von Geschäftsleuten und TouristInnen beim Anblick frei laufender Hunde" sich der Bürgermeister "in seiner Zuständigkeit als Hundeleinensatzungsgeber" stütze, will der Politiker beispielsweise wissen.

Weiter fragt der Bündnisgrüne nach den Ursachen für den Erlaß der Satzung: Habe es in den letzten Jahren etwa Treibjagdunfälle in der Lübecker Innenstadt gegeben, die durch frei laufende Hundemeuten hervorgerufen wurden? Und wie hoch sei pro Jahr die Summe der regionalen Kaufkraft, die bisher durch frei laufende Hunde am Einzelhandels-Oberzentrum Lübeck vorbei nach Flensburg an der Leine gelenkt werde? Und schließlich:Habe der Bürgermeister moderne elektronische Alternativen zum Leinenzwang erwogen, zum Beispiel Miniatursender am Halsband zur Ortung hundeartiger Objekte in der Altstadt, wie sie in den kanadischen Wäldern zur Ermittlung der Aufenthaltsorte nicht angeleinter Grisly-Bären Anwendung finden?

Damit nicht genug, blickt Schubert in seinem Antrag auf die Außenwirkung der Hundeleinensatzung. So fragt er an, ob die Absicht bestehe, den Leinenzwang in der City in den Marketing-Broschüren der Stadt als positiven
Standortfaktor aufzunehmen? Oder ob der Bürgermeister in der Union of the Baltic Cities (UBC) das Lübecker Modell der Hundehaltung zur Nachahmung empfehlen werde, um Wettbewerbsverzerrungen im Ostseeraum entgegen zu wirken.

Schubert hatte bereits im vergangenen Jahr mit einer ähnlich ironischen Anfrage zu vermeintlichen Ratten und Mäusen im Rathaus die Lacher auf seiner Seite (die SZ berichtete). Doch ging es weder damals noch heute nur um den Spaß. Nicht nur, daß Schubert den Leinenzwang für unnötig hält; er glaubt auch nicht, daß er konsequent umgesetzt würde. So heißt es in seiner Anfrage: "Gibt es Grund zu der Annahme, daß in absehbarer Zeit in der Hunde-
leinen-Altstadt ebenso viele Hunde frei laufen werden wie in der autofreien Altstadt Autos frei fahren?" Denn das Einfahren von Autos in die Altstadt sei trotz Verkehrsberuhigung weder durch die Polizei noch durch städtische Ordnungskräfte bisher unterbunden worden.

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