Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 28. September 1999

Verkehrsführung ohne Sinn

Zur Verkehrsführung in der Altstadt

Wenn wir von der Hochgarage in der Marlesgrube kommen und in die Mühlenstraße zu unserem Geschäft fahren möchten, um Ware ein- oder abzuladen, ist es nicht erlaubt, über den Klingenberg zu fahren. Das bedeutet, daß wir durch den Pferdemarkt, die Kapitelstraße, die Mühlenstraße bis zum Mühlentorteller, durch den Teller, Mühlenstraße zurück, durch die Königstraße, die obere Aegidienstraße und durch die obere Mühlenstraße zurück fahren müssen. Der Verkehrsweg vergrößert sich dadurch von rund 300 Metern auf zirka 1 500 Meter - ist also um das Fünffache gestiegen.

Von der Hochgarage Schmiedestraße/Marlesgrube ist es für den abfließenden Verkehr in Richtung Holstentor und Fackenburger Allee seit kurzem verboten, über die untere Marlesgrube und die Obertrave in Richtung Holstentor zu fahren, um die untere Marlesgrube und den vorderen Teil der Obertrave vom Verkehr zu entlasten.

Der neue Verkehrsweg führt über die obere Marlesgrube, den Pferdemarkt, die Parade (am Marienkrankenhaus vorbei), den Domkirchhof, den Mühlendamm, die Wallstraße und über die Possehlstraße zum Holstentorplatz. Hier vergrößert sich der Verkehrsweg von vorher rund 700 Metern auf zirka 2000 Meter - hat sich also beinahe verdreifacht.

Es werden zwar untere Marlesgrube und vordere Obertrave vom Verkehr entlastet, doch die oben genannten Straßen werden durch das erhöhte Verkehrsaufkommen sehr viel stärker belastet als zuvor.

Wo steckt der Sinn in diesen neuen Verkehrswegen?

Wozu diese unnötige Erhöhung des Verkehrsaufkommens? Warum stärkere Belastung von Mensch und Natur durch mehr Abgase, Lärm und Gestank?

Falls der Sinn der neuen Verkehrsführung ist, vom Fahren in die Altstadt abzuschrecken, sollte man sich an die Auswirkungen der autofreien Innenstadt erinnern: Der Autoverkehr in die Lübecker Altstadt nahm wirklich ab, aber nicht, weil die Menschen in die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen sind, sondern weil sie zum Einkaufen auf die grüne Wiese oder in Nachbargemeinden und -städte fuhren. Die Einzelhändler in der Lübecker Altstadt mußten starke Umsatzrückgänge hinnehmen.

Um den Autoverkehr zu verringern, müssen bundesweite Beschlüsse gefaßt werden, zum Beispiel die Verteuerung des Benzins und die Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Beschlüsse, die nur eine Stadt oder Gemeinde betreffen, bringen nicht den gewünschten Effekt, wie das Beispiel der autofreien Innenstadt hier in Lübeck gezeigt hat.

Familie Groth, Lübeck

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