Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 16. Dezember 1997

Müssen professioneller werden

Scheidender Tourismusdirektor sieht großes Potential im Kongreßwesen

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Letzter Arbeitstag an seinem Schreibtisch: M.-T. Schreiber Foto: M. Erz

Heute, Dienstag, ist sein letzter Arbeitstag. Nach zwei Jahren scheidet Tourismusdirektor Dr. Michael- Thaddäus Schreiber, 39, aus seinem Amt in der Beckergrube aus und wird der Hansestadt nur noch als Berater zur Verfügung stehen. Der gebürtige Mainzer, der künftig als Hochschulprofessor tätig sein wird, hat von der Bürgerschaft noch ein Weihnachtsgeschenk mit auf den Weg bekommen: Die Neugliederung des Tourismus in Lübeck, die am Mittwoch beschlossen wurde (siehe Seite 2). Das Konzept ist Schreibers Werk. Die SZ sprach mit ihm:

SZ: Herr Dr. Schreiber, wie bewerten Sie die Bürgerschaftsentscheidung, auf die Sie zwei Jahre lang hingearbeitet haben?

Schreiber: Sie ist aus meiner Sicht ein äußerst erfreuliches Ergebnis, weil jetzt die Politik sichergestellt hat, daß auf der Basis unserer Verwaltungsarbeit die Tourismusförderung im nächsten Jahr entsprechend weiter bearbeitet werden kann. Auf der Basis eben der Inhalte, die wir festgeschrieben haben.

Aber es gibt ein paar Bereiche, die noch nicht geklärt sind, beispielsweise die noch zu gründende GmbH namens LTS. Was ist dort los?

Klar gegliedert sind die Bereiche sehr wohl. Es gibt nur - und das meinen Sie sicherlich - einige offene Fragen. Welche Gesellschafter werden wir haben, welche Aufgaben haben sie und welche Abgrenzungen lassen sich vornehmen. Stichwort Lübecker Verkehrsverein: Hier haben wir noch Gespräche darüber zu führen, wer innerhalb der Gesellschaft welche Aufgaben wahrnimmt, damit wir primär unsere Synergieeffekte nutzen und nicht sozusagen uns gegenseitig das Arbeitsfeld streitig machen.

Eine Leserin hat uns geschrieben, die Touristik-Betreuung in Lübeck komme ihr dilettantisch vor. Hat die Frau recht?

Dilettantisch? Sie sprechen auf einen Leserbrief an von einer Frau, die Unterlagen vom Lübecker Verkehrsverein angefordert hat. Wissen Sie, für uns ist es wichtig, daß wir in der Außenwirkung einheitlich auftreten. Ob Lübecker Verkehrsverein oder Lübeck-Tourismus-Service GmbH, da differenziert der Gast nicht. Der Gast assoziiert mit der Serviceleistung die Hansestadt Lübeck. Deshalb ist es wichtig, daß die zentralen touristischen Serviceleistungen, dazu gehört die Zimmerreservierung, die Produktion von Packages, der zentrale Werbemittelvertrieb, der Bereich Souvenirverkauf und Merchandising, sozusagen unter einem Dach stattfinden.

Geschieht das derzeit mit genügender Professionalität?

Wir, die Hansestadt Lübeck, vertreten durch mich über das Amt für Lübeck-Werbung und Tourismus, wir nehmen momentan nur sehr partiell Aufgaben in diesem Bereich wahr. Wir beschränken uns, das ist durch die Geschichte sozusagen bedingt, primär auf das Außenmarketing und auf die Werbung. Wir gehen auf Messen, wir führen Workshops und Promotions durch.

Neue Zukunftsaufgaben

Die Arbeit vor Ort bei uns beschränkt sich im Bereich des Binnenmarketings derzeit weitestgehend auf die Informationsausgabe in unseren Info-Büros Beckergrube und Breite Straße. In der Zukunft müssen wir aber auch Aufgaben wahrnehmen, die heute von den klassischen Incoming-Büros oder vom Lübecker Verkehrsverein wahrgenommen werden. Und hier schließt sich jetzt der Kreis: Wir müssen sehen, daß wir unsere Aufgaben entsprechend abstimmen.

Sie haben einmal gesagt, daß das Tourismusmanagement in Lübeck in zu vielen Händen liegt und daß wir professioneller werden müssen. Sehen Sie das noch immer so?

Ja. Das stimmt im Prinzip leider noch immer, wie ich es eben anhand der Serviceleistungen konkret benannt habe.

In Ihrem Konzept haben sie von vier "K's" geschrieben. Kinder, Kultur, Kongreß und Küste/Kuren. Ich möchte ganz gerne auf das für Lübeck wichtige Kongreßgeschäft zu sprechen kommen, da Sie dies in Zukunft beruflich noch stärker beschäftigen wird. Sind wir in Lübeck in Bezug auf das Kongreßwesen am Ende einer Entwicklung angelangt oder haben wir dort noch ein attraktives Entwicklungspotential?

Ich denke, gerade in diesem "K"-Bereich können wir, wenn wir von den Insellösungen weggehen, noch einiges zusetzen.

Was verstehen Sie unter Insellösung?

Insellösung heißt, daß verschiedene Partner, ob Musik- und Kongreßhalle, ob ,,lübeckongress'', ob zum Teil auch das Amt für Lübeck-Werbung und Tourismus, entsprechende kongreß-touristische Werbung anbieten. Dies ist aus meiner Sicht optimierungsbedürftig - will heißen: Eine standortspezifische Kongreßförderung muß über eine zentrale Stelle, die Lübeck-Tourismus-Zentrale (LTZ), erfolgen. Was nicht heißt, daß einzelne Häuser, beispielsweise die Musik- und Kongreßhalle, für ihre Institutionen nicht selbst werben sollen.

Optimale Gesamtvermarktung

Lübeck ist prädestiniert für den Kongreß- und Tagungsbereich. Die LTS muß sämtliche kongreß-touristische Standortfaktoren transparent machen. Hierzu zählen: Die Tagungshotels, die Kongreßhalle sowie das Kultur- und Rahmenprogramm-Angebot. Es kann keiner besser für die optimale Gesamtvermarktung dieses Segmentes sorgen als die künftige "Lübeck und Travemünde Tourismus-Zentrale", die eine neutrale Institution ist, weil sie selbst kein direkter Kongreßanbieter ist.

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