Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 16. Dezember 1997

Der Maulwurf unter dem Kanal

Spezialunternehmen schloß Verkabelungslücke zur Kronsforder Allee

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Ende der Bohrung in einer Ton-/Wasserschlämme auf dem Spielplatz Fotos: M. Erz

Jetzt ist sie geschlossen, die Lücke im Glasfasernetz zwischen der Innenstadt und dem Verwaltungsgebäude an der Kronsforder Allee. Ein Spezialunternehmen aus Wittenburg/Mecklenburg schaffte dieser Tage den Durchstich unter dem Kanal hindurch mit einer neu entwickelten Technik nach Art eines Maulwurfes. "Gesteuerte Horizontalbohrung" nennen Fachleute das Verfahren.

"Wir hatten dafür eigentlich nur zwei Tage einkalkuliert", berichtet Bauleiter Jens Schnakenbeck. Gebraucht habe man schließlich sieben Tage. Denn der als problemlos eingestufte Sanduntergrund zeigte sich tückisch und leistete unvermuteten Widerstand - vor allem im Bereich der aufgeschütteten Wallanlagen. Dort - knapp 20 Meter vor dem Ziel - brach plötzlich die 10 000 Mark teure Bohrspitze ab. Das drei Meter lange Spezialstahl-Gerät mit abgeflachter Spitze und eingebautem Peilsender mußte mit einem Bagger aus dem tückischen Untergrund befreit werden.

Die Bohrung ist dennoch fertig. Ein Spezialgerät mit Kettenantrieb hatte in der Nähe der ehemaligen LVA an der Kronsforder Allee den zwölf Zentimeter starken rotierenden Bohrstab in den Untergrund gedrückt. Der in der Bohrspitze untergebrachte Peilsender lieferte dabei stets die genaue Position des Gerätes, so daß die Spezialisten auf einer gekrümmten Bahn exakt sechs Meter unter dem Kanal hindurchbohren konnten , stets kontrolliert von dem Meßgerät, mit dem ein Mitarbeiter Schnakenbecks in einem Boot auf dem Kanal dirket über der Bohrung patroullierte.

Immer wieder verlängert mit 3,50 Meter langen Bohrstangen - Stückpreis 1000 Mark - rückte der "Maulwurf" relativ schnell auf das 120 Meter entfernte Ziel, den Wasserspielplatz südlich der Seefahrtsschule vor, bis er eben steckenblieb und abbrach. Die Bohrung endete dennoch zielgenau auf dem Spielplatz. Mit dem Zurückziehen des Bohrgestänges zog Schnakenbeck einen Aufweitungskopf von 18 Zentimeter Durchmesser nach und ein Kunststoff-Mantelrohr vom Durchmesser 12,5 Zentimeter, das jetzt ein Vierbündel von Glasfaserkabeln aufnehmen kann.

Damit ist die letzte Lücke im innerstädtischen "Backbone" (Netzstrang) geschlossen, das die Stadtwerke derzeit aufbaut (die SZ berichtete). Über diese Verbindung läuft demnächst die Daten- und Telefonkommunikation der Stadtverwaltung, Stadtwerke und anderer Interessenten.

Gekostet hat die Horizontalbohrung, die Bäume, Sträucher und Grünanlagen schont, rund 15 000 Mark. "Damit haben wir aber kein Geld verdient", stöhnt Bauleiter Schnakenbeck. Fünf zusätzliche Arbeitstage und ständige An- und Abfahrten um neues Gerät heranzuschafffen, habe seine Kosten massiv nach oben getrieben. Dumm gelaufen, wenn sein direkter Auftraggeber, die Telekom AG, kein Einsehen hat und die Summe nicht noch einmal nachbessert.

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