Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 19. Oktober 1999

"Möglichst viel privatisieren"

Dr. Hans-Achim Roll (CDU) kandidiert für das Bürgermeisteramt

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Will ein wirtschaftsfreundlicheres Klima in der Stadt: Der CDU-Kandidat für das Bürgermeisteramt, Dr. Hans-Achim Roll; Foto: Privat

"Ich möchte die Nähe zu dem, was man tut, spüren", begründet Dr. Hans-Achim Roll sein Interesse am Bürgermeisteramt in der Hansestadt Lübeck. Während seiner Tätigkeit im Kanzleramt habe er sich fast nur mit abstrakten Dingen beschäftigt. Deshalb reize ihn jetzt das Konkrete. Der 57jährige Jurist geht für die CDU ins Rennen.

Roll ist bereits der zweite Kandidat, den die Lübecker Christdemokraten den Wählerinnen und Wählern anbieten:Anfang des Jahres wurde zunächst die parteilose Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann aufs Schild gehoben, doch nur einige Monate später zog die Partei diese Kandidatur zurück, weil öffentlich Kritik an Hoffmanns Führungsstil geübt wurde. In einem umfangreichen partei-internen Auswahlverfahren, setzte sich Roll dann gegen drei weitere Interessenten durch.

Er wolle nicht alles anders machen, aber vieles besser, zitiert Roll einen bundesweit erfolgreichen Wahlkämpfer auf die Frage, was er als Bürgermeister dieser Stadt vorhabe. An erster Stelle stehe die Haushaltskonsolidierung. "Sämtliche freiwilligen Leistungen der Stadt müssen auf den Prüfstand", so Roll. Was eingespart werden könne, werde auch eingespart.

Gleichzeitig möchte er "Dienstleistungen der Stadt, wo immer möglich, privatisieren". Und wenigstens erste Schritte zur Privatisierung stadteigener Betriebe einleiten.

Die Verkehrssituation verbessern

Sein zweiter Schwerpunkt gilt der Wirtschaftspolitik. Hier wolle er "Rahmenbedingungen verändern". Das dazu notwendige Geld verschaffe er sich neben der Privatisierung durch "den Verkauf von Grundstücken".

Verbessert werden müsse beispielsweise die Verkehrssituation. Außerdem gehöre zu den veränderten Bedingungen die Senkung der Gewerbesteuer. Investiert werden müsse aber auch in die Ausstattung der Schulen, Stichwort neue Medien.

Die Verwaltungsstrukturreform hält er im Grundsatz für richtig, etwa hinsichtlich der dezentralen Budgetverantwortung. Außerdem könne man auch nicht "in voller Fahrt das Steuer herumreißen". Allerdings habe er den Eindruck, daß "die Verwaltung sich zur Zeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt". Man sei schließlich "keine Selbsterfahrungsgruppe, sondern ein Dienstleistungsunternehmen."

Andererseits hält er die Aufgabengebiete, für die die einzelnen Senatorinnen und Senatoren Verantwortung tragen, für zu groß. Vorstellbar sei beispielsweise, "gewisse Bereichsleiter aufzuwerten", soll heißen, ihnen bestimmte Aufgabengebiete zu übertragen, für die sie dann allein verantwortlich sind. Man könnte dazu "artverwandte Bereiche zusammenfügen". Das entlaste nicht nur die Senatorinnen und Senatoren, sondern motiviere zugleich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Als "Übergangskandidat" sieht sich Dr. Hans-Achim Roll nicht, obwohl er aus Altersgründen keine zweite Amtszeit anstreben kann. Er sieht das sogar eher als Vorteil:"Das verschafft mir eine größere Unabhängigkeit." Sein Ziel sei, "von Fall zu Fall Mehrheiten zu finden" und darüber hinaus den Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern zu suchen:"Das sind meine Verbündeten." Und da könne er sich durchaus vorstellen, für seine Pläne "Druck über die Bürger" zu erzeugen. Außerdem müsse nicht jeder Plan sofort umgesetzt werden; wichtig sei, ein Klima bei der Wirtschaft zu erzeugen, daß "es gut ist, nach Lübeck zu kommen". Es gehe um Imagebildung, und das sei vor allem eine psychologische Frage. Die Botschaft sei:"Der Bürgermeister steht für dieses freundliche Klima."

Den "Schwarzzettel Roll", den die SPD kürzlich vorgelegt hat und in dem

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