Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 19. Oktober 1999

Mozarts großes Märchen

Jürgen Tamchina inszeniert "Die Zauberflöte" im Großen Haus

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Monostatos (li.) und Papageno auf einem Stich von 1793; Foto: Privat

Jürgen Tamchina, der Mozarts "Die Zauberflöte" im Großen Haus des Theater Lübeck inszeniert, war hier bereits mit "Orpheus und Eurydike"" sowie "Die Entführung aus dem Serail" erfolgreich. "Die Zauberflöte" - die Premiere ist am 24. Oktober - ist ein Wunsch des Regisseur, der weiß, daß der Erwartungsdruck des Publikums groß ist bei diesem Werk, das die Hitliste im Musiktheater anführt. Er macht sich keine Sorgen: "Wenn man so treu wie ich den musikalisch-literarischen Befund analysiert."

Über allem steht "Emanuel Schikaneders großes, wild zusammengeschriebenes Märchen, aus vielen Märchen und Mythen gefügt: Wenn man sich diesem Märchen anvertraut, braucht man keinen tiefenpsychologischen Ansatz". Tamchina weiß, daß diese Oper so geliebt wird, weil in ihr "deutsches Schauspiel" ist. "In der großen Galerie unterschiedlich geloteter Bilder sieht jeder Betrachter etwas anderes - und Mozart fügt sie durch seine Musik aneinander".

Allerdings habe die Aufführungspraxis diese Musik verfälscht und die Figuren damit zu Programmträgern gemacht. Diese seien aber Menschen. "Die Hallen-Arie wird von Sarastro meist zu langsam, die Isis-Arie meist zu schnell gesungen". Und in Mozarts Autograph steht die Monostatos-Arie ganz leise: "Er ist der Realität entrückt, ihm erscheint der zarte Traum eines Menschen - auch in ihm, wie in allen Personen der Oper, ist die Sehnsucht nach Liebe die Triebfeder ihres Handelns".

Dieses heterogene Gebilde besteht aus zwei Teilen, zeigt Ernst und Gnade, viel Humor und versteckte Ironie, sogar "böse und auch frauenfeindliche Momente".

Jürgen Tamchina vertraut bei seiner Umsetzung auf die Farbigkeit auch der Kostüme. Dann setzt er auf die erneute Zusammenarbeit mit dem Ersten Kapellmeister Rüdiger Bohn - und schließlich dem Ensemble. "Was ich in Lübeck als am gemeinsamen Ziel motivierten Ensemble habe, bietet kaum ein Staatstheater". Allein die drei Damen (Barbara Spieß, Christiane Hiemsch, Angela Nick) seien "hoch besetzt, besser als auf den meisten Schallplatten".

Dann zeigt sich "der Gegensatz, der keiner ist" eines jungen Tamino (alternierend Martin Homrich von der Hamburgischen Staatsoper und Stephan Rügamer) mit einem gestandenen Papageno: der renommierte Schauspieler Peter Franke hat die Rolle übernommen.

Neben Mark Schnaible (Sprecher) und Elisabeth Kraus (Papagena) sowie Patrick Busert/Roberto Gionfriddo (Monostatos) kommt eine ganze Reihe von Gästen zum Zuge, die teils erstmals in Lübeck singen: Valentine Deschenaux/ Petra Labitzke (Pamina), Il-Young Jun/Kristina Totzek (Königin der Nacht) und Rainer Büsching: "Der Dresdner ist im Augenblick wohl der erfahrenste Sarastro weit und breit".

Die drei Knaben sind Mitglieder der Hamburger "Alsterspatzen". Es singen Chor und Extrachor des Theaters in der Einstudierung von Gabriele Pott. Es tanzen Mitglieder der Lübecker Tanz Companie (Choreographie: Juliane Rößler) und das Philharmonische Orchester im Graben trägt diese "Zauberflöte".Güz

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