Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 19. Oktober 1999

Keine Dialogkultur zu erkennen

Zu: "Leitsätze für eine konstruktive Streitkultur". SZ vom 31. August

Mit Interesse habe ich den Artikel zur Kenntnis genommen. Dazu sind - nach dem Satz "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" - denn doch einige Anmerkungen nötig.

Wenn hier von "großer Bereitschaft zum Konsens" die Rede ist, dann betrifft das keineswegs die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke beziehungsweise den Stadtwerkeausschuß, wie sich zum Beispiel in aller Deutlichkeit bei der Erweiterung der Buslinie 1 im Sommer gezeigt hat. Hier wurde während des gesamten Verfahrens keine "Dialogkultur" sichtbar, nicht einmal die Bereitschaft dazu; die Maßnahme wurde ohne jegliche öffentliche Diskussion gegen den erklärten Willen eines großen Teils der von der Buslinie betroffenen Anlieger durchgesetzt.

Konstruktive Vorschläge, die den Sinn der Maßnahme in Frage stellten, wurden "respektiert", aber nicht ernst genommen, da eine einmal als "richtig" erkannte "Wahrheit" kompromißlos realisiert werden mußte.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht verwundern, wenn die hehren Worte, die in dem Artikel plakativ geäußert werden, als wenig ernst zu nehmend erscheinen. Insbesondere Aussagen wie "konstruktive Streitkultur", "Beteiligung einer möglichst hohen Zahl von Bürgern am kommunalen Geschehen" oder "konstruktive Diskussionen" offenbaren hinsichtlich ihrer tatsächlichen Realisierbarkeit eine gehörige Naivität oder stehen in Gefahr, zu bloßen Lippenbekenntnissen zu verkommen.

Hans Höhn, Lübeck

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