Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 30. November 1999

Begleitung auf dem letzten Weg

Eröffnung: Rickers-Kock-Haus ist das erste stationäre Hospiz in Lübeck

Auf den ersten Blick sieht das frisch renovierte Haus an der Moislinger Allee 75b aus wie ein ganz normales Wohnhaus. Hinter den rosa getünchten Fassaden verbirgt sich jedoch etwas für Lübeck ganz Neues: ein stationäres Hospiz. Das in der vergangenen Woche eröffnete Rickers-Kock-Haus nimmt Menschen auf, die unheilbar erkrankt sind und nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben. Sie werden hier gepflegt, ärztlich versorgt und von Sozialarbeitern, Seelsorgern, Haus- und Wirtschaftspersonal und ehrenamtlichen HelferInnen betreut.

Entstanden ist das Haus auf Initiative des mittlerweile 122 Mitglieder zählenden Fördervereins Hospiz. Träger ist der Verein Vorwerker Heime - Diakonische Einrichtungen. Die Hansestadt Lübeck und das Land Schleswig-Holstein haben die 1,7 Millionen Mark teure Investition mit einem Zuschuß in Höhe von 200 000 Mark gefördert. Dazu kamen Spenden der Kirche, der Possehlstifung und vom Deutschen Hilfswerk. Auch für die künftige Arbeit ist das Rickers-Kock-Haus auf Spenden angewiesen.

"Wir hatten schon in der Planungsphase viele Anfragen", berichtet Ursula Vieth, Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin der neuen Einrichtung. Hospize dieser Art gibt es bereits in Rendsburg und Hamburg. Während längerer
Aufenthalte in England war sie mit der Hospiz-Idee in Berührung gekommen, die Todkranken eine möglichst angenehme und schmerzfreie letzte Lebensphase ermöglichen will. In Lübeck gibt es zwei ambulante Hospizvereine, die sich um Sterbebegleitung und Betreuung von Angehörigen kümmern, aber keine Pflege anbieten. Mit ihnen wird das Rickers-Kock-Haus eng zusammenarbeiten.

In dem frisch sanierten Haus ist Platz für sieben BewohnerInnen. Die Einzelzimmer mit Bad sind mit hellen Holzmöbeln wohnlich eingerichtet. Das Haus ist auf die Bedürfnisse schwerkranker Menschen eingerichtet. Auch ein Pflegebad, ein Raum der Stille und ein Gemeinschaftsraum sind vorhanden. Geplant ist außerdem ein Informations- und Beratungsbüro für BürgerInnen, die Fragen zu den Themen Sterben und Tod haben.

Um die sieben schwerkranken BewohnerInnen kümmern sich sieben hauptamtliche examinierte MitarbeiterInnen. Dazu kommen ehrenamtliche HelferInnen. Aufgenommen werden Sterbende, die keine Angehörigen mehr haben oder deren Familie mit der Pflege überlastet ist. Voraussetzung ist die Finaldiagnose eines Arztes.

Ursula Vieth, die seit 1994 Erfahrungen in der Sterbebegleitung gesammelt hat, will auch die Angehörigen einbeziehen - natürlich nur auf Wunsch. "Wer will, kann ein Zimmer im benachbarten Altenhilfe-Zentrum Travetal beziehen, um immer in der Nähe zu sein."

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