Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 14. März 2000

Funde von Steinzeitbesiedelung

Entlang der A 20-Trasse lebten schon vor 10 000 Jahren Menschen

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Kultursenator Meyenborg (re.) und Bereichsleiter Dr. Gläser präsentieren Werkzeuge aus der Steinzeit; Foto: M. Langentepe

Wo in wenigen Jahren Autos fahren, lebten bereits in der Steinzeit Menschen. Das belegen Funde von Keramiken und Steinwerkzeugen entlang der Trasse der zukünftigen Autobahn 20 (A 20) auf Lübecker Gebiet. Seit Oktober 1998 werden die Bauarbeiten in dem Abschnitt zwischen der A1 und der Kronsforder Landstraße archäologisch begleitet. Schon vorher waren dem Bereich Archäologie der Hansestadt Lübeck mehrere Fundstellen aus der Stein- und Bronzezeit in den Niederungen von Stecknitz und Trave bekannt. Daß dieses Gebiet allerdings derart intensiv besiedelt war, ist für die Bodendenkmalpfleger dennoch spektakulär.

Wie Dr. Manfred Gläser, Leiter des Bereichs Archäologie, auf einer Pressekonferenz vergangene Woche sagte, sei die Funddichte in dem rund vier Kilometer langen und etwa 100 Meter breiten Abschnitt der zukünftigen Ostsee-Autobahn "sehr bemerkenswert." Bislang habe das zwölfköpfige Ausgrabungsteam schon etliche tausend Funde bergen können. Den großen Personaleinsatz ermöglicht das Arbeitsamt. Es bezahlt zwei Jahre lang die beiden Archäologen Rüdiger Harnack und Cezary Popko sowie die zehn Helfer. Die Kosten betragen rund 1,2 Millionen Mark.

Der finanzielle Einsatz lohnt sich: Materialfunde belegen, daß in diesem Gebiet bereits 12 000 bis 10 000 v. Chr. Rentierjäger-Gruppen lebten. Spuren von Hütten oder Lagerplätzen seien bislang zwar nicht gefunden worden, dafür aber Material, beispielsweise Steinreste.

Besuch aus Süddeutschland

Belegt werden kann hingegen die Besiedlung mit Menschen ab 8000 Jahren vor Christus. Kern- und Steinbeile wurden gefunden und von Dr. Gläser und Kultursenator Ulrich Meyenborg präsentiert. Viele weitere Keramiken, Steinschaber, Keile und Pfeilspitzen lassen darüber hinaus Rückschlüsse auf weitere Siedlungen zu. So zeigen die Grabungen, daß Menschen in der Zeit ab 4000 vor Christus in dem Gebiet seßhaft wurden und Ackerbau und Viehzucht betrieben. Auch Funde aus der Bronzezeit, bislang nur Schmuckfragmente, allerdings kein Werkzeug, wurden aus Tiefen von rund einem Meter geborgen.

Daß unsere Vorfahren relativ lange Steinwerkzeuge nutzten, belegen Funde aus der Eisenzeit (ab etwa 500 Jahren v. Chr.). Die Ausgrabungen weisen zudem nach, daß die Menschen schon damals so etwas wie Handel mit weit entfernt lebenden Kulturen führten. So wurde bearbeiteter gelblicher Flint gefunden, der in dieser Gegend nicht vorkommt und aus Skandinavien stammen dürfte. Überdies zeigen die zu

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