Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 28. März 2000

Wie Mädchen gerne sein wollen

Das Buch "Eine Handvoll Freundinnen" wird als Theaterstück aufgeführt

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Neele Rußland, Marny Robien, Luna Scheller, Elina Robien und Kati Brügger (v. li.) trösten "Lara" in ihrer Mitte, gespielt von Marie-Therèse Wassermann; Foto: M. Rulfs

Am Sonnabend, 1. April, um 15 Uhr treten zehn Mädchen im Alter von acht bis 13 Jahren im Mädchen- und Frauencafé, An der Untertrave 97, mit einem eigenen kleinen Theaterstück auf. Das Stück ist entstanden aus dem Buch "Eine Handvoll Freundinnen", das die Mädchen selber geschrieben und illustriert haben. Darin stellen sie fünf Mädchen einer Schulklasse vor, die sie sich ausgedacht haben: Zum Beispiel die blonde Anna-Lisa, die auf dem Bauernhof lebt und auf eigenen Pferden reitet, die coole Buffy mit Schlaghosen, die viele Freundinnen hat und bei allen beliebt ist oder auch die kleine Heidi, die auf dem Land mit Ziegen und einem Hund lebt, gerne tobt und auf Bäume klettert.

Die zehn Mädchen haben sich aber nicht nur ideale Traumfiguren ausgedacht, sondern sie haben sich auch in die Personen eingefühlt und erzählen von deren Sehnsüchten, Wünschen, Träumen und Sorgen - die häufig als ihre eigenen zu erkennen sind. So lassen sie Anna-Lisa sagen: "Auch wenn ich nicht so aussehe, aber ich bin ein bißchen schüchtern, und es fällt mir nicht immer leicht, mich zu wehren". Oder Lara sagt: "Ich muß Tanzunterricht nehmen, obwohl ich gar keine Lust zum Tanzen habe. Meine Eltern bestimmen das. Und ich fühle mich manchmal sehr allein."

Ihr Theaterstück erzählt von dieser Gruppe fiktiver Mädchen, die erst eine von ihnen aus-schließen, aber im Laufe von mehreren Szenen zu Freundinnen werden.

Bei einer Probe kurz vor dem Auftritt sind die Mädchen noch sehr aufgeregt. Aber sie wissen doch genau, was sie noch einmal üben müssen. "Die Szene am Schluß, wo wir darüber abstimmen, welchen Namen wir uns geben wollen, die können wir noch nicht so gut," sagt beispielsweise Marny selbstkritisch.

Gefragt, ob sie denn so sein wollen wie die Mädchen, die sie spielen, schütteln sie die Köpfe. "Solche strenge Eltern wie Lara möchte ich nicht haben, und außerdem bin ich auch gar nicht reich", sagt Marie-Therèse. Andererseits: Bei einigen der Mädchen leben die Eltern getrennt - wie bei den Phantasiemädchen "Buffy" und "Luna", um so mehr können sie eine starke Mädchengruppe gebrauchen.

Die Mädchen haben sich vor drei Jahren bei einem Umweltprojekt kennengelernt und treffen sich seitdem jeden Dienstag. Geleitet wird die Gruppe von Beatrix Rußland, die das Mädchen- und Frauencafé 1994 mit eröffnet hat. Sie regte auch an, daß die Gruppe sich mit ihrem Buch und Theaterstück am Projekt "Schneewittchen trifft Madonna" beteiligt.

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