Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 23. Mai 2000

Die Wunden sind noch nicht verheilt

Gedenkstein für Opfer des Brandes in der Hafenstraße aufgestellt

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Dieser Gedenkstein erinnert an die schreckliche Brandkatastrophe im Januar 1996; Foto: T. Wewer

"Wir verzeihen, aber wir vergessen nicht", sagte am Sonnabend Bacar Gadji, Sprecher der afrikanischen Gemeinde in Lübeck, bei der Übergabe des Gedenksteines in der Hafenstraße, der an die Brandkatastrophe am 18. Januar 1996 erinnert. Mit einem mulmigen und traurigen Gefühl seien er und ehemalige Bewohner des Hauses Hafenstraße 52 zur Feier gekommen. Auch deshalb, weil ein "Gefühl des Unbeendeten" bliebe, da die Täter bis heute nicht ermittelt seien. Damals waren zehn Menschen in den Flammen oder beim verzweifelten Sprung aus dem Fenster ums Leben gekommen. 39 Bewohnerinnen und Bewohner überlebten den Brand, erlitten aber zum Teil schwere Verletzungen, an deren Folgen sie noch immer leiden.

Christoph Kleine vom "Runden Tisch Brandanschlag" bemängelte, daß der Tag "kaum mehr als ein historisches Datum ist", dabei seien vier Jahre "viel zu kurz, um die Wunden der Betroffenen heilen zu lassen."

Kleine monierte zudem die juristische Behandlung des Falles. Immer wieder hätten die Flüchtlinge vor Gerichten erscheinen und dadurch die Ereignisse immer wieder durchleben müssen. Außerdem seien Aussagen immer wieder in Zweifel gezogen worden, wenn sie der Anklage gegen den Mitbewohner Safwan E. nicht folgen mochten.

Der Stein dürfe kein Schlußstein sein, forderte Kleine, "sondern im besten Falle eine Wegmarke hin zu einem anderen, menschlicheren Umgang unserer Gesellschaft mit Flüchtlingen." Alle seien aufgerufen, aus dem Geschehenen zu lernen, um die Gegenwart zu verändern und ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben für die Zukunft zu ermöglichen.

Zuvor hatte Stadtpräsident Peter Oertling die Namen der bei dem Brand umgekommenen Bewohner verlesen und mit den über 100 TeilnehmerInnen eine Gedenkminute für die Toten eingelegt.

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