Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 23. Mai 2000

Umsonst und draußen: Das etwas andere Konzert

Amphibien-Männchen geben zur Zeit Kostproben ihres musikalischen Könnens - Exkursion zum Ringstedtenhof

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Man, ist die dick, man: Kreuzkröte mit Schallblase an der Kehle. Diese Blase wirkt als Resonanzraum und macht dadurch den Ruf des Tieres lauter; Fotos (3): Bereich Naturschutz

Mit Gummistiefeln und "Südwester" zum Konzert? Was in der Musik- und Kongreßhalle vermutlich für großes Aufsehen sorgen würde, ist bei der Veranstaltung, die der Bereich Naturschutz in der nächsten Woche anbietet (siehe "Termin") ausdrücklich erwünscht. Denn das Konzert findet im Freien statt, genauer gesagt im Landschaftsschutzgebiet "Ringstedtenhof", und da könnten die Wege schon ein wenig uneben und je nach Witterung für Stöckelschuhe und Slipper höchst ungeeignet sein.

Aber zu der späten Stunde geht es ja auch nicht um "Sehen und gesehen werden", sondern ums Hören: Bereichsleiter Frank-Dieter Lammert höchstpersönlich führt in das Froschkonzert ein und informiert die Besucherinnen und Besucher ausführlich über die Künstler. Ein großer Laubfrosch-Chor kann übrigens so ohrenbetäubend sein, daß man in der Nähe sein eigenes Wort nicht mehr versteht. In
50 Zentimetern Entfernung von einem rufenden Laubfrosch wurden Lautstärken bis zu 87 Dezibel gemessen. Zum Vergleich: Ein Preßlufthammer produziert 90 bis 110 Dezibel. Und die lautesten Rufer sind bis über einen Kilometer weit zu hören.

Eine Art Balzgesang

Das Natur-hör-spiel ist nicht mehr allzu lange mitzuerleben, denn die Rufe dienen dem Anlocken paarungsbereiter Weibchen am Laichgewässer, sind also eine Art Balzgesang. "Wenn die Paarungszeit vorbei ist, verstummen die Männchen - bis zum nächsten Frühjahr", erläutert Olaf Niehus, Artenschutzexperte im Bereich Naturschutz. Laubfrösche, Molche und Kröten gehören zur Tiergruppe der Amphibien. Die deutsche Bezeichnung für Amphibien ist Lurche. Sogar der Laie kann die drei leicht unterscheiden. Niehus: "Frösche bewegen sich an Land hüpfend fort, Kröten kriechen und Molche haben einen Schwanz."

Natürlich kann man sie auch an ihrem "Gesang" unterscheiden: Die Laubfroschmännchen rufen meist im Chor schnelles "räp, räp, räp" in Serie, die von Pausen unterbrochen werden. Die Laubfroschmännchen scheinen dabei über das größte Stimmvolumen zu verfügen, denn laut Niehus sind sie die lauteste - heimische - Amphibienart.

Die Wasserfrosch-Männchen rufen meist im Chor abwechslungsreich quakend, zum Beispiel "quorrr-quarrr-uärrr-ärrr" oder "oeck-oeck-oeck" oder "oax-oax". Dagegen rufen die Kreuzkröten-Männchen meist im Chor ausdauernd "ärr,ärr,ärr".

Bei der Kreuzkröte und dem Laubfrosch werden die Rufe mit Hilfe einer großen Schallblase an der Kehle, die als Resonanzraum wirkt, verstärkt. Die Wasserfrösche haben zwei Schall- blasen, je eine an jeder Kopfseite, die fast wie Kaugummiblasen aussehen.

Kröten und Frösche, die keine solchen äußeren Schallblasen haben, rufen sehr viel leiser. Dazu zählen zum Beispiel die Erdkröte und der Grasfrosch.

Dem Laubfrosch wird zugeschrieben, das Wetter vorhersagen zu können. Dabei war es die bloße Not, die ihn, eingesperrt in ein Glas, bei Sonnenschein auf die oberen Sprossen seines Leiterchens hinauftrieb - um bei der Hitze im Glas ausreichend Sauerstoff zu bekommen. "Dieser Aberglaube vom Wetterpropheten hat vielen Laubfröschen einen qualvollen Tod bereitet", erklärt Niehus. Deshalb sei das Halten von Amphibien in Gläsern auch streng verboten.

Das Wetter kann der Laubfrosch demnach nicht vorhersagen, aber dafür verfügt er über eine andere Fähigkeit: Er ist unter den heimischen Froschlurchen der einzige, der Gräser, Sträucher, Stauden und sogar Bäume erklettern kann.

Der Grund: Beim Laubfrosch sind Finger- und Zehenspitzen zu scheibenförmigen Haftorganen umgebildet. Auf der Unterseite der Haftscheiben ist die Haut verdickt und und schwammigweich. Spezielle Drüsen halten diesen "Apparat" feucht und ermöglichen es dadurch dem Frosch, sich an senkrechten Flächen festzuheften. Die klebrige Bauchhaut wirkt beim Klettern unterstützend.

Der Laubfrosch ist gut vor Feinden getarnt, weil er seine meist leuchtend grüne Färbung in Abhängigkeit von Temperatur, Umgebung und der "Stimmung" verändern kann, zum Beispiel in grau, gelblich, braun, dunklegrün und gefleckt.

Und er ist leicht zum "Musizieren" zu animieren:Geräusche, die einem Laubfroschruf ähneln, können bereits ein ganzes Froschkonzert auslösen - auch das kann am Montag getestet werden.

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