Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 23. Mai 2000

Pestalozzi-Schule wird 100 Jahre alt

Jubiläumsfeier am 26. Mai - Ausstellung von alten Bildern und Dokumenten

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Einer der ersten Jahrgänge der damaligen "4. St. Lorenz Mädchenschule" vor der Turnhalle; Foto: Privat

Die Pestalozzi-Schule an der Fackenburger Allee feiert am 26. Mai ihr hundertjähriges Bestehen. Der um die Jahrhundertwende, genau im Oktober 1900, fertiggestellte Bau beherbergte damals das Doppelschulhaus der "4. St. Lorenz Knaben- und Mädchenschule". Das Gebäude war in der Mitte getrennt durch Wände, durch den Schulhof verlief eine Mauer und an den zwei Schulen unterrichteten getrennte Kollegien unter zwei leitenden "Hauptlehrern". Knapp 1000 Schüler und Schülerinnen in acht Jahrgängen besuchten die Schule, deren Klassen schon kurz nach der Eröffnung überfüllt waren, da die Bevölkerung von St. Lorenz sprunghaft anstieg.

"Der Bau nimmt sich ungemein gefällig, man möchte sagen, farbenfroh aus", urteilte am 30. September 1900 ein Journalist der "Vaterstädtischen Blätter": "Schon der Eingang zur Knabenschule zeigt uns mit seinen hübsch gemalten blühenden Gewächsen und seinen sinnigen Sprüchen ,Ohne Fleiß kein Preis' und ,Aller Anfang ist schwer', daß man gewillt ist, die Wirkunsglosigkeit der kahlen Wände zu verlassen und auch der Jugend durch leichte nicht aufdringliche Dekoration den Werth der Farben nahezulegen."

Mit der Schule entstand eine Turnhalle mit Brausebaderäumen, die einmal wöchentlich beim sogenannten "Badetag" genutzt wurden. 1927 wurde eine für damalige Verhältnisse moderne elektrische Licht- und Klingelanlage installiert; ihr durchdringendes schnarrendes Läuten hat den Schultag von Generationen von Grund- und Hauptschülern bestimmt und ist heute noch zu hören.

Schon vor der nationalsozialistischen Herrschaft war geplant, die Schule nach dem Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi, einem Förderer der Volksbildung, zu benennen; 1934 bekam die Schule ihren heutigen Namen.

Im zweiten Weltkrieg war die Schule eine der wenigen mit einem eigenen Luftschutzbunker, erzählt Jens Hoffmann, 38, der Rektor der Schule. Wo die Kinder sich damals bei Bombenangriffen drängten, leben heute Fledermäuse, wie zum Beispiel das streng geschützte sogenannte "Braune Langohr".

Beengte Verhältnisse

Im Krieg als Lazarett umfunktioniert, platzte die Schule nach dem Krieg aus allen Nähten: Im Jahr 1950 wurden 1 482 Schüler, unter ihnen viele Flüchtlingskinder und damals sogenannte Zigeunerkinder, in mehreren, über den ganzen Tag verteilten, Einheiten unterrichtet. Es gab viel zu wenig Lehrer, und auch Flüchtlinge wurden als Lehrer rekrutiert.

In den 60er Jahren wurde die Trennung von Jungen und Mäd-chen aufgehoben, die Wände wurden durchbrochen. Heute besuchen die Grundschule und ihre Nebenstelle an der Dornbreite 280 Schüler und Schülerinnen in 13 Klassen, die von 15 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet werden. Das Angebot der Betreuten Grundschule von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr nutzen etwa 50 Kinder. Darüber hinaus sind zwei Klassen der Sprachheilschule Anton-Schelling-Schule in das Gebäude an der Fackenburger Allee integriert.

Jubiläumsprogramm

Für das Jubiläum hat die Schule eine Festschrift mit Bildern und Dokumenten aus ihrer Geschichte und einem Rückblick auf das Werk Pestalozzis zusammengestellt. Der Festtag am Freitag, 26. Mai, beginnt vormittags mit einer Feierstunde mit geladenen Gästen. Von 15 bis 18 Uhr gibt es einen bunten Kindernachmittag mit Tombola, Ständen, Ausstellung, Saft und Kuchen, und vor allem mit vielen alten Spielen. Von 19 bis 23 Uhr feiern Lehrer, Eltern, Nachbarn und ehemalige Schü-ler das Jubiläum mit Musik von der Band "Koasters". Jens Hoffmann blickt optimistisch auf den Tag mit dem ganzen Jubiläums-trubel. "Ich bin sicher, es wird ein schönes Fest - und wenn der Tag Überschüsse abwirft, wollen wir davon neue Computer angeschaffen", sagt er.

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