Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 30. Mai 2000

Rückblick des Moderators

Relativ unbefangen gingen wir als Außenstehende mit Firmensitz in Dortmund an Konzeption und Moderation eines Leitbildprozesses. Nach den Vorgesprächen wurde uns klar, daß neben der eigentlichen Aufgabe die Schaffung einer Kultur des Umgangs miteinander für Lübeck wesentlich ist, um aus alten und neuen Sackgassen herauszufinden.

Wir entwickelten ein Modell, das sehr stark auf Kommunikation, Partizipation und Diskurs ausgelegt war. Selbst die dafür gewählten Begrifflichkeiten wie Diskursgruppe, selbstorganisierte Prozeßbausteine, Plenum und Schlichtergruppe sollten schon deutlich auf dieses gesetzte Ziel hinweisen.

Wir sind rückblickend mit dieser gewählten Form zufrieden. VertreterInnen von mehr als siebzig gesellschaftlich relevanten Gruppen der Stadt haben formuliert und diskutiert, was ihnen für die Zukunft wichtig ist.

In sachkundigen Arbeitskreisen wurde Material gesammelt, Wünsche geäußert und Stichworte gegeben.

Eine fünfzehn-köpfige koordinierende Diskursgruppe löste Widersprüche im Gespräch auf oder spitzte sie verdeutlichend zu; kleinere Verhandlungsrunden suchten bei besonderen Problemen nach Möglichkeiten des Konsenses. Das Plenum entschied über Verfahren und Inhalte.

Weil so viele Personen aus mehr als hundert Verbänden, Vereinen, Kirchen, Parteien, Organisationen und kommunalen Institutionen, sowie VertreterInnen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen (etwa bei MigrantInnen, SportlerInnen) und Generationen (etwa SeniorInnen und Jugendliche) daran mitgearbeitet haben, dürfen wir von einer sozial und politisch breit gefächerten Zustimmung und einem hohen Maß an demokratischer Verantwortung für Lübecks Angelegenheiten sprechen.

Kurz gesagt: Das Leitbild Lübeck basiert auf einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung und deren Visionen für ihre Stadt.

So entstand das vorliegende Leitbild "von unten nach oben", das die Stadt mit ihren Problemen und Chancen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und neue Perspektiven aufzeigt.

Aus den Interessen einzelner Gruppen entstand im Diskurs etwas Ganzes und Neues: ein gemeinsamer Wegweiser für das Gemeinwesen der Stadt Lübeck. Das beförderte Dis kussionskultur, die über Sachfragen zu persönlicher Anerkennung führte.

Von vornherein waren Störungen des Prozesses zu erwarten.So warf die Bürgermeisterwahl ebenso ihre Schatten auf den Verlauf des Prozesses wie die Wunden aus jahrelangen Auseinandersetzungen um Verkehrsthemen.

Ein Schlichtungsversuch war erforderlich. Er endete mit dem Ausstieg von IHK und Kaufmannschaft. Daher konnte die Arbeit nicht abgeschlossen werden, sie enthält noch Mängel und weist Lücken auf.

Erfreulich jedoch: Mittlerweile sind so viele Menschen zur Arbeit am Thema Zukunft und Leitbild motiviert worden, daß die Diskussion darüber durch einen einseitigen Ausstieg nicht mehr beendet werden kann.

Die Fortführung und Abrundung der Arbeiten insbesondere mit einem Aktionsprogramm wird von vielen gewünscht - auch innerhalb der Wirtschaft.

Lübecks neuer Bürgermeister Bernd Saxe hat die Chance zu einem runden Abschluß, der ein gutes Stück Neuanfang sein kann.

Wir hoffen, daß mit vorliegendem Leitbild ein Meilenstein geschaffen wurde, der für die kommenden Jahre Orientierung bietet.

Noch mehr wünschen wir uns, daß alle Beteiligten die Chancen dieser neuen Formen des Umgangs erkannt haben und diese Qualität zukünftig zum Wohle aller LübeckerInnen beibehalten und weiterentwickelt wird.

Frank Claus,

Petra Voßebürger,

Marcus Bloser

(iku GmbH)

Dortmund, Mai 2000

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