Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 20. Juni 2000

Leere Kassen stoppen Umbau

Das Holstentormuseum: Ausstellung nicht mehr zeitgemäß - Konzept liegt vor

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Das Holstentormuseum: "Die Modernisierung muß oberste Priorität haben", sagt Frank-Thomas Gaulin (SPD); Foto: N. Dorel

Nicht nur in Lübeck, sondern international gilt das Holstentor als eines der Wahrzeichen Lübecks und der Hanse. Doch fast vergessen verblaßt es zur Zeit im strahlenden Glanz des aufpolierten Buddenbrookhauses. Verstaubt, dunkel und altmodisch mutet die Ausstellung im Museum an. Rund 40 Jahre lang wurde hier nichts verändert - die Zeit ging spurlos an ihm vorüber. Einzige Veränderung: Die Besucherzahlen nahmen in den letzten Jahren rapide ab.

Das könnte sich ändern. Auf Anregung von Kultursenator Ulrich Meyenborg entwickelte Holger von Neuhoff, bekannt als Macher der Titanic-Ausstellung, ein neues Konzept für das Holstentormuseum. Demnach soll sich die Ausstellung vorwiegend dem Handel und damit der Hanse widmen, da die Hansestadt ihre herausragende Bedeutung den mittelalterlichen Kaufleuten ver- dankt. Mit wenigen modernen Medien, wie Diaprojektionen, Webkameras und Computern soll gleichzeitig der direkte Vergleich von damals und heute geschaffen werden. Rund vier Millionen Mark würde die Neu- gestaltung kosten. Zwei Millionen davon soll die Stadt investieren, für die restlichen zwei Millionen will von Neuhoff zusammen mit seinen Gesellschaftern der Firma Futura, Peter Tamm und Rusalka Nikolov Sponsoren finden.

Begeistert wurde dieses Konzept im Februar nach der Präsentation von den Mitgliedern des Kulturausschusses gefeiert: Das Holstentor als Einstiegs- und Informationspunkt für Lübeck-Besucher. "Ich meine, auf Lübeck kommt eine Innovation zu", sagte beispielsweise Wolfgang Neskovic (Grüne) den Lübecker Nachrichten. Und auch Hermann Junghans (CDU) sprach von einem interessanten Vorschlag. Schon im März sollte die Bürgerschaft über eine entsprechende Vorlage beschließen.

Doch bisher ist nichts passiert. "Es ist eine Frage der Finanzierung", so Senator Meyenborg. Die Hansestadt habe zur Zeit keine Möglichkeit, die notwendigen zwei Millionen Mark im Haushalt zur Verfügung zu stellen. Er würde lieber früher als später das Holstentormuseum modernisieren, doch momentan sehe er keine Chance - jedenfalls nicht mit städtischen Mitteln.

Das Konzept selbst bezeichnet Meyenborg als Grundlage, um die moderne Musealkunst umzusetzen. Das jetzige Konzept sei allerdings noch nicht endgültig - an dem einen oder anderen Punkt müsse noch Feinarbeit geleistet werden.

Und auch der neue Leiter des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Dr. Thorsten Rodiek, müsse in die Planungen einbezogen werden. "Doch das ist nicht das Problem - die Zusammenarbeit mit Herrn von Neuhoff ist sehr kooperativ", betont der Senator.

Das meinen auch die Kultur-Ausschußmitglieder. "Neuhoff ist ein exzellenter Macher", so Frank-Thomas Gaulin (SPD). Allerdings müsse man beachten, daß das von ihm vorgeschlagene multimedial gestützte Ausstellungskonzept in wenigen Jahren nicht wieder veraltet sei. "Die Jugendlichen sollen dann nicht durch ein Technik-Museum gehen". Außerdem dürfe man nicht aus den Augen verlieren, welche Aufgabe ein Museum heute hat: "Ich möchte, daß die wirklichen kulturhistorischen und stadtgeschichtlichen Schätze auch zu sehen sind - nicht nur vereinzelte Exponate und sonst nur Dias."

Eberhard Zell (CDU) bezeichnet von Neuhoffs Konzept ebenfalls als vorzügliche Grundlage. "Lübeck wäre schlecht beraten, wenn die Realisierung an den Kosten scheitert".

Beide räumen der Neugestaltung des Holstentormuseums oberste Priorität ein. Mit Blick auf den kulturellen Städtetourismus müsse das international bekannte lübsche Wahrzeichen modernisiert werden. Dabei sollen alle Mittel ausgeschöpft werden - "auch zum Betteln dürfen wir uns nicht zu schade sein", meint Zell.

Neben der Sponsorenwerbung regen die Ausschußmitglieder an, das Projekt "Straße der Backsteingotik" mit Wismar und Greifswald voranzutreiben. Vielleicht bestünde hier die Möglichkeit, EU-Fördergelder einzuwerben.

Die Besucher würden eine schnelle Veränderung jedenfalls begrüßen. "Es ist ziemlich trostlos", urteilt Maro Just aus Lübeck nach seinem Besuch im Holstentor. Teilweise seien die Räume ziemlich leer und dunkel. "Aber was will man für eine Mark Eintritt auch erwarten". Dieses wenig schmeichelhafte Urteil bestätigen die Schüler eines Leipziger Gymnasiums. "Das Holstentor muß man einfach gesehen haben - aber es ist ziemlich altmodisch und enttäuschend". Einzig die Stadt-Modelle fanden großen Anklang bei den Jugendlichen.

Scott Lopez aus dem amerikanischen Washington D.C. hat noch ganz andere Probleme. "Ich weiß gar nicht, was ich hier sehe, es gibt keine englische Beschreibung", bedauert er. Ein bißchen neuer Schwung würde dem Museum guttun - vor allem den Bezug zu Heute, die Entwicklung der Stadt in den letzten Jahrhunderten, das würde er sich wünschen.

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