Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 20. Juni 2000

Will Lübeck mit Schilda gleichziehen?

Zum Thema "Messehalle Lübeck auf der Wallhalbinsel"

Lübeck ist Universitätsstadt; Lübeck ist eine alte bedeutende Hanse-, Hafen- und Handelsstadt; Verbindung zwischen dem Kontinent und den Ostsee-Anrainern seit hunderten von Jahren. Lübeck ist eine kulturhistorisch bedeutende Stadt - Weltkulturgut der Unesco. Warum nicht auch Messestadt?

Eine Messe erhöht die Bedeutung einer Stadt und dar-über hinaus auch der Region - dies haben Macher, Politiker und Planer auch erkannt. Seit längerer Zeit geht die Diskussion in Lübeck um, diese Messehalle(n), die auf der Wall-halbinsel in Anbindung zur Musik- und Kongreßhalle gedanklich geplant ist, dort auch zu errichten.

Bei näherer Betrachtung und Abwägung der geographischen und topographischen Gegebenheit ist dies jedoch, wie mir scheint, der denkbar ungünstigste Standort. Warum?

Lübeck ist von allen Seiten mit Wasser umgeben - Wakenitz, Trave-Kanal, Trave-Häfen - die die Bebaubarkeit einschränken, begrenzen und/oder, falls man in die Tiefe geht, erheblich verteuern.

Dieser Inselstatus führt dazu, daß, anders als in vielen Städten vergleichbarer Größe, die Fahrt in die Stadt, beziehungsweise aus der Stadt heraus, über einige wenige Brennpunkte, nämlich die "Teller" geht. Burgtorteller, Mühlenteller und nicht zuletzt der Lindenplatz. Weiter Moltkestraße und Marienbrücke.

Die Diskussion um die Messehalle findet in diesem Raum statt - das heißt Standort Wallhalbinsel.

Unmittelbar an die Wall-halbinsel/Willy-Brandt-Allee ist angebunden der Lindenplatz als Dreh- und Angelpunkt zur Erschließung der Stadt aus Richtung Norden, Segeberg, Neumünster, Kiel und der Autobahn-Ausfahrt Lübeck-Mitte.

Das Verkehrsaufkommen, das täglich über den Lindenteller geht, ist an normalen Tagen schon extrem hoch und führt zu chaotischen Verkehrsverhältnissen. Wie soll dies gesteuert und gelenkt werden, wenn die Zufahrt zu den "Messehallen Wallhalbinsel" und "Besucher MuK" und "Heimspiel des VfB" an einem Tag zusammenfallen? Das Chaos ist vorprogrammiert.

Und wo sollen die PKW-Parkplätze und Busparkplätze entstehen, die die Besucher benötigen - etwa in Hoch- oder Tiefgaragen auf der Wallhalb- insel?

Oder soll vielleicht in Bad Schwartau/Stockelsdorf durch Park-and-Ride-Plätze die Stadtanbindung hergestellt werden? Ich denke an die Fehlplanung des Parkplatzes Ratzeburger Allee.

Denn die Parkplätze auf der Wallhalbinsel werden ja für die Besucher der MuK und auch der Stadt - zum Beispiel Busse aus Skandinavien zum Weihnachtsmarkt und anderes - gebraucht. Würden dort die Messehallen gebaut, würde zumindest ein Großteil der Parkmöglichkeit entfallen.

Dies haben viele Städte, vom kleinen Husum bis zur Expo in Hannover oder Leipzig, erkannt und, wenn es möglich war, verlagert.

Städte, die dies nicht konnten, wie zum Beispiel Hamburg oder Berlin, befinden sich permanent in Schwierigkeiten.

Dies muß aber in Lübeck nicht sein, denn ein anderer, idealer Standort, der eigenartigerweise nicht diskutiert wird, ist vorhanden. Das auch schon im Bebauungsplan der Stadt Lübeck als Gewerbegebiet ausgewiesene Gelände beiderseits der Kronsforder Landstraße, südlich der Drägerwerke bis hin nach Niederbüssau oder im Gebiet Rothebek.

Die Anbindung zur MuK ist, wenn sie überhaupt notwendig ist, denkbar einfach: Willy-Brandt-Allee - Possehlstraße - Berliner Straße - Kronsforder Allee.

Darüber hinaus ist eine hervorragende Verkehrsanbindung, zum Beispiel durch die neue A 20, zur Zeit im Bau, in unmittelbarer Nähe nach Osten, Wismar, Rostock, Polen und über den Anschluß der
A 20 an die A 1 an das gesamte Autobahnnetz gegeben.

Eine weitere Anbindung wäre die A 24 von Dresden, Leipzig, Berlin, einschließlich der Balkanländer.

Auch der Flughafen Lübeck-Blankensee liegt unweit.

Seine Bedeutung wächst täglich und Messebesucher wären leicht über einen Shuttleverkehr zur Messe zu bringen.

Die Bahnhöfe Niendorf/Lübeck und Blankensee könnten zur Messezeit aktiviert werden. Aber vor allem: Es wäre Platz, viel Platz für die Messe und die nötigen weiteren Einrichtungen, wie zum Beispiel Parkplätze.

Ebenfalls wäre das Bauen an sich, auf nicht vom Wasser umgebenen Grund, erheblich günstiger. Man sollte diesen Standort mit in die Diskussion einbeziehen, oder will Lübeck mit Schilda gleichziehen?

Dipl. Ing. Karl-Ludwig Brandtner,
Lübeck

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