Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 20. Juni 2000

"Die Sammlung gehört in diese Stadt"

Der Lübecker "Silberschatz" ist zurückgekehrt - Ab Juli im Museum zu sehen

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Bernd Saxe betrachtet das Willkomm der Hutmacher. Der 53 Zentimeter große Kelch stammt aus dem Jahr 1665. Das Silber darf nur mit Handschuhen angefaßt werden; Fotos: T. Wewer, Museum

Die Sammlung mit 72 Gebrauchsgegenständen aus Silber ist wieder in der Hansestadt Lübeck. Am vergangenen Donnerstag präsentierten der Leiter des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Dr. Thorsten Rodiek, und Bürgermeister Bernd Saxe die als "Lübecker Silberschatz" bezeichneten Krüge, Kannen, Pokale, Humpen, Schalen, Dosen und Prunkteller, die in Lübecker Silberschmieden im 16. bis 19. Jahrhundert gefertigt wurden, den hiesigen Medien. Ab Sonntag, 2. Juli, wird die Sammlung in der Burgschmiede des St. Annen-Museums für vier Wochen ausgestellt.

Für diese Sammlung sucht die Hansestadt Lübeck nun Paten. Für 2,5 Millionen Mark wurde die Sammlung angekauft. Diese Summe wurde von der Stadt zunächst vorfinanziert, zugleich wurden mehrere Anträge auf Fördermittel gestellt. Trotzdem verbleibt laut Bürgermeister Saxe derzeit noch eine "Finanzierungslücke" von rund 375 000 Mark. Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen können jetzt Patin oder Pate eines der Stücke werden. Sie oder er müßte dann zehn Prozent des Wertes eines Stückes bezahlen. Wenn der Wert einer Dose oder eines Humpens beispielsweise auf 3000 Mark taxiert werde, dann müßte der Pate beziehungsweise die Patin also 300 Mark bezahlen. Die Idee mit der Patenschaft stünde "in der Tradition der Stadt", so Saxe. Interessenten können sich ab sofort in der Bürgermeisterkanzlei, Telefon 122 10 01, oder im St. Annen-Museum, Telefon 122 41 37, melden.

Die Paten würden namentlich genannt, wenn die Sammlung erst ihren endgültigen Platz im St. Annen-Museum gefunden habe, versicherte Museumsleiter Rodiek. Der sei bis jetzt noch nicht gefunden. Außerdem werde die Sammlung nach der vierwöchigen Präsentation erst einmal von der Kunsthistorikerin Dr. Claudia Horbas untersucht. Die Expertin aus Berlin beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Silber und soll jetzt feststellen, welche Meister die jeweiligen Stücke angefertigt haben, soweit dies sich nicht aus den Meisterzeichen ergibt. Außerdem sollen die Teile der Lübecker Sammlung mit anderen Sammlungen verglichen werden - nicht zuletzt, um damit vielleicht auch die Bedeutung der Lübecker Sammlung im Vergleich zu anderen einschätzen zu können.

Im Frühjahr 2001 soll schließlich ein Katalog mit der Beschreibung jedes einzelnen Stückes vorliegen. Und dann soll die Sammlung dauerhaft ausgestellt werden im St. Annen-Museum. Sie wird nicht mit anderen Silber-Exponaten, die bereits im Besitz des Museums sind, "gemischt", betonte Rodiek. "Die Sammlung bleibt als Sammlung erhalten."

Im Februar des Jahres wurde die Hansestadt Lübeck darüber informiert, daß die Silbersammlung zum Verkauf steht. Es hieß, daß Museen in Amerika Interesse am "Silberschatz" hätten. In "zähen und schwierigen Verhandlungen", so Kultursenator Ulrich Meyenborg, sei es schließlich gelungen, die Sammlung anzukaufen. Dabei habe man den ursprünglichen Kaufpreis von 3,3 Millionen Mark noch auf 2,5 Millionen herunterhandeln können.

Warum die Hansestadt so interessiert an der Sammlung war, erläuterte Bürgermeister Saxe vergangene Woche noch einmal: "Das sind Lübecker Stücke, sie sind von Lübeckern gemacht. Die gehören in diese Stadt."

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