Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 26. Juni 2000

Editorial

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Auch in den 20er Jahren gehörte die Werbung bereits fest zu unserem Stadtbild. Zeugnis davon legt eine kleine Litfaßsäule ab, die seit den Dreharbeiten zu Heinrich Breloers Film über die Mann-Familie neben den St. Marien-Buden steht. Die Drehleute haben sie den Gastronomen geschenkt, die während der Dreharbeiten ihren Betrieb zwei Tage lang ruhen lassen mußten. Die alte Säule wirkt anheimelnd: Kleinflächige, teils dicht beschriebene, blasse Plakate werben für "Gütermann Nähseide", für "Arctic, das ideale Winteroel in der idealen Packung" oder für"Persil, das selbsttätige Waschmittel", das "wieder da" ist, und zwar "in Friedensqualität". Es rührt uns, wenn eine fein lächelnde blonde Dame in einem glänzenden Unterkleid ihre Achselhöhle mit "Dialon-Puder" bestäubt.

Längst hat die Werbung der 20er Jahre Kunststatus erreicht. Unsere heutige Werbung wirkt dagegen brutal. Sie hält unseren Blick fest, auch ohne daß wir das wollen, bedrängt uns mit riesigen Flächen und knalligen Farben, schreit uns mit großen Buchstaben Botschaften zu. Sie behindert unseren Gang durch Fußgängerzone und Kaufhäuser.

Nur sollten wir beim nostalgisch verklärten Blick nicht vergessen, daß es auch damals nur darum ging, Waren zu verkaufen, - so gesehen hat sich eigentlich wenig geändert, findet

Ihre SZ-Redaktion

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