Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 26. Juni 2000

Die autogerechte Stadt gibt es nicht

Zu: "Zu autofeindlich" SZ vom13. Juni

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Die Verkehrsführung im Rahmen der Beruhigung der Altstadt bleibt Gegenstand kontroverser Diskussionen. Das Bild zeigt die Straße Pferdemarkt; Foto: T. Wewer

Peter Sünnenwolds Auslassungen über die Verkehrsberuhigung zeigen, wes Geistes Kind er ist.

1. Die Hauptverkehrsstraßen der Altstadt waren immer und sind auch jetzt jederzeit befahrbar.

2. Seit November 1988 erfolgt die Abfahrt aus dem Parkhaus Schmiedestraße durch Straßen, in denen überwiegend gewohnt wird. Die frühere Abfahrt war eine sehr starke Belastung für die Anwohner. Sie ermöglichte außerdem die Durchfahrtsbeziehung Holstentor/Mühlentor.

3. Der Schüsselbuden muß weiterhin für den allgemeinen Verkehr gesperrt bleiben, weil auch seine Befahrbarkeit eine Durchfahrtsbeziehung eröffnet. Im übrigen: Alle Parteien, die Wirtschaftsorganisationen und die Initiativen für die "autofreie"Altstadt haben sich mehrfach für die Unterbindung des Durchgangsverkehrs ausgesprochen.

4. Die Verkehrsregelung im Domviertel ist kein Problem. Die Bewohner und die überwiegende Zahl der Einzelhändler und der Gastwirte sind mit der jetzigen Regelung zufrieden. Restaurants sind erreichbar.

Mit seiner Forderung, daß "die Innenstadt befahrbar bleiben muß", schadet Sünnenwold Lübeck. Die "autogerechte" Stadt gibt es nirgendwo, sie kann es schon gar nicht in einer historischen Altstadt (Weltkulturerbe) geben.

Die in einem Kompromiß gefundene Verkehrsberuhigung ist nicht autofeindlich. Im Gegenteil: sie ist fußgängerfeindlich und schadet so dem Einzelhandel.

Es würde unserer Stadt helfen, wenn Peter Sünnenwold die Energie, die er immer wieder gegen die Verkehrsberuhigung entwickelt, anderweitig einsetzen würde. Einige Vorschläge:

*Falschparker, zum Beispiel auf Gehwegen, entsprechend informieren.

*Als Bürgerschaftsmitglied sollte es Peter Sünnenwold möglich sein, dazu beizutragen, daß der Bereich Verkehrsangelegenheiten den in die Stadt einfahrenden Verkehr besser als bisher kontrolliert, etwa an den sogenannten
24 Stunden nur für Anlieger einschließlich Wirtschaftsverkehr befahrbaren Straßen:

*Peter Sünnenwold ist ein ideenreicher Mann, warum entwickelt er nicht Strategien, die den traditionellen, inhabergeführten Einzelhandel stärken? Billigläden und Filialisten beispielsweise gibt es in jeder Stadt. Es gilt, das Einmalige in Lübeck herauszustellen, nicht nur in Bezug auf das Weltkulturerbe, sondern auch gerade im Hinblick auf den Einzelhandel. Situationen wie sie zum Beispiel in Wolfsburg oder Castrop-Rauxel vorherrschen, bringen Lübeck nicht weiter.

Fußgänger, die sich frei von Verkehrslärm, frei von Abgasen der Autos fühlen, Fußgänger, die nicht befürchten müssen, durch zu schnell fahrende Wagen in Gefahr zu kommen, sind allemal für die Wirtschaft interessante Kunden.

Verkehrsberuhigung kann also zur Wertschöpfung im Einzelhandel beitragen.

Hans Meyer, Lübeck

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